Tradition und Brauchtum
Seeprozessionen und Lebkuchenherzen
Verkleidete Kinder rennen durch Neukirchen bei Altmünster. Sie klopfen an Haustüren und rufen ,,Krupf, Krupf, Krupf!‘‘ Es ist ein eigenartiges Bild, doch findet es jedes Jahr statt. Genauso wie eine Seeprozession zu Fronleichnam. Und im Frühling verschenkt man Lebkuchenherzen an seine Liebsten. Es sind sehr spezielle Traditionen, die sich in der Region Traunsee-Almtal bis in die Gegenwart erhalten haben. Doch was hat es damit auf sich? Und woher kommen diese Traditionen?
In Neukirchen hat sich ein ganz spezieller Winterbrauch bewahrt: das ,,Krupf-Krupf‘‘ gehen. In früheren Jahrhunderten dürfen Kinder aus armen Familien in der letzten Rauchnacht am 5. Jänner von Haus zu Haus ziehen und um Almosen bitten. Um unerkannt zu bleiben, verhüllen sich die Kinder und rufen mit verstellter Stimme nach Krapfen: „Krupf, Krupf, Krupf!“
Einige Jahrzehnte später beginnen auch die Erwachsenen an diesem Tag betteln zu gehen. Aus der Notwendigkeit von damals ist ein Brauch geworden. Seitdem spazieren Kinder von Haus zu Haus, bringen Neujahrswünsche und singen Lieder. Dafür erhalten sie Krapfen, Süßigkeiten und auch ein wenig Geld. Die Älteren tun es ihnen dann am Abend gleich. Sie erhalten ihren Lohn aber traditionell in alkoholischer Form. Jedes Jahr erfreut dieser Ritus am Glöckltage die Kinderherzen und beschert so manchen Erwachsenen am Abend einen ordentlichen Rausch.
Gleich am nächsten Tag, am 6. Jänner, dem Dreikönigstag, kann man ebenfalls in Neukirchen einer weiteren Tradition beiwohnen, das Dreikönigsreiten. Drei Königen zu Pferd werden von drei Treibern, vier Musikanten und einem Kassier begleitet. Zu den Klängen von Akkordeon, Querflöte und Gitarren lockt vierstimmiger Gesang alljährlich zahlreiche Besucher in die zauberhafte Umgebung und in die Pfarrkirche. Hier gestalten die Musikanten dann das Hochamt. Die vorgetragenen Lieder sind vorwiegend überlieferte Stücke aus der Region.
Ein ganz besonderer Tag ist der vierte Sonntag in der Fastenzeit. Dieser wird als ,,Liebstattsonntag‘‘ bezeichnet und geht auf den damals für Gmunden zuständigen Passauer Bischof Leopold Wilhelm von Österreich zurück. Dieser bestätigt 1641 die Corpus-Christi-Bruderschaft, deren Mitglieder vermögende und einflussreiche Bürger der Region sind. Am vierten Sonntag der Fastenzeit laden sie die Armen der Stadt zum gemeinsamen Mahl ein und „statten“ so „ihre Liebe ab“. Im Laufe der Jahrhunderte wandelt sich dieser Brauch, an die Stelle der Armenspeisung treten Lebkuchenherzen, die als Dank für erhaltene Liebe verschenkt werden.
Zu Fronleichnam finden vielerorts Prozessionen statt, jene in Traunkirchen nimmt einen besonderen Platz ein, denn sie wird seit 1632 als Seeprozession gefeiert. Nach dem Hochamt in der Pfarrkirche verlässt die Prozession unter den Klängen aus der Jesuitenzeit stammender Melodien das Gotteshaus und besteigt am Seetor des einstigen Klosters die Fronleichnamsflotte. Diese besteht aus dem Hauptschiff, der ,,Himmelsfuhre‘‘ und der ,,Gegenfuhre‘‘, zahlreichen Motorbooten und Segelbooten, und nimmt neben drei weiteren Stationen Kurs auf das Kriegerdenkmal, wo sie von der Ortsmusik und zahlreichen Gästen begeistert empfangen wird.
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