Die Familie Württemberg
Nachfahren des Sonnenkönigs
Philipp Alexander Maria Ernst Herzog von Württemberg, erblickte 1838 als Sohn von Alexander Württemberg und Marie Christine Orleans das Licht der Welt. Aber bald sollten dunkle Wolken am Horizont aufziehen.
Philipps Mutter ist die Tochter des Königs Louis-Philippe von Frankreich, auch bekannt als ,,Bürgerkönig‘‘. Louis-Philippe ist der letzte französische Herrscher mit Königstitel und kommt 1830 durch eine bürgerlich-liberale Revolution, die das reaktionäre Regime der Bourbonen stürzt, an die Macht.
Ist er zu Beginn seiner Regentschaft ein liberaler Hoffnungsträger, scheitert er an Skandalen und Korruptionsfällen. Er schließt sich der reaktionären Politik des österreichischen Staatskanzlers Fürst von Metternich an. Seit dem Wiener Kongress 1815 ist es dessen erklärtes Ziel, Vorherrschaft und Privilegien des Adels wieder herzustellen.
Bereits sechs Monate nach Philipps Geburt stirbt seine Mutter. Da sein Großvater Louis-Philippe ein direkter Nachfahre Ludwigs XIV., des Sonnenkönigs ist, wird er an den französischen Hof gebracht und am Hof seines Großvaters und dessen Gattin, Königin Marie Amélie, erzogen.
Obwohl das Haus Württemberg und sein Vater protestantisch sind, wird Philipp katholisch getauft. Die Februarrevolution 1848 zwingt die Familie des französischen Königs nach England ins Exil zu fliehen, wo sie von Königin Viktoria aufgenommen werden, Philipp jedoch kehrt zu seinem Vater nach Bayreuth zurück.
Herzog Philipp will eigentlich Prinzessin Sophie aus Bayern heiraten, die jüngste Schwester der berühmten „Sisi“, Kaiserin Elisabeth von Österreich, doch Sophie zeigt ihm die kalte Schulter. Daraufhin heiratet Philipp die österreichische Erzherzogin Maria Theresia.
Für das Paar, das sechs Kinder bekommt, erbauen der Münchner Baumeister Arnold Zenetti und Architekt Heinrich Adam an der Wiener Ringstraße das Palais Württemberg. Allerdings wohnt Philipp mit seiner Familie nur fünf Jahre darin, dann wird es verkauft und nach dem Umbau 1873 anlässlich der Wiener Weltausstellung als Hotel Imperial wiedereröffnet.
In der Hauptstadt residiert die Familie Württemberg von nun an im Palais Strudelhof. Die unmittelbar am Palais gelegene Strudelhofstiege wird durch den gleichnamigen Roman von Heimito von Doderer weltberühmt.
In Altmünster gibt Philipp dem Architekten Heinrich Adam erneut einen Auftrag: er soll eine Sommerresidenz für seine Gattin erbauen. Ab den späten 1870er Jahren verbringt die Familie die Sommer am Traunsee auf ihrem neu errichteten Schloss im Stil der französischen Neorenaissance, denn Herzog Philipp besitzt ein Jagdrevier im nicht weit entfernten Hinterstoder.
Am Ende des 19. Jahrhunderts ist die Thronfolge im Königreich Württemberg vakant, denn der Sohn von König Wilhelm II stirbt bereits im Säuglingsalter. Der Thron fällt daraufhin an Herzog Philipp, der ihn jedoch aufgrund seines hohen Alters direkt auf seinen ältesten Sohn Herzog Albrecht überträgt.
Nach dem Verkauf des Palais Strudelhof residieren die Württembergs ab 1905 im Kronprinzenpalast in Stuttgart. Dort stirbt Philipp 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, wenige Jahre später endet die Thronfolge im Königreich Württemberg durch die Abschaffung der Monarchie.
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