Die beiden Weltkriege

Die beiden Weltkriege

Fanatische Patrioten, Zwangsarbeiter und Widerstand

Unter lauten Pfiffen und Hassrufen dringt die aufgebrachte Menge in den Garten der Gmundner Villa ein und zerstört, was ihr unter die Finger kommt. Beim Sturm auf das Haus geht eine ganze Fensterfront zu Bruch, Möbel werden herausgeschleudert und zerbersten. Die Stimmung ist patriotisch aufgeheizt.

Im Herbst 1914 gibt man sich in Gmunden, wie auch im übrigen Österreich, sehr heimatverbunden, ein kritisches Wort und es setzte Prügel. Einem Gerücht zu Folge, soll John Ruston II., der Eigentümer der Traunseeschifffahrt, gesagt haben: „Die Österreicher und die Deutschen werden es von den Engländern schon noch kriegen. Die Österreicher sind Trottel.“

Für dieses Gerücht muss Ruston teuer bezahlten, denn ein Mob von knapp 700 Personen zerstört daraufhin Eigentum des Schifffahrtunternehmers. Als Ruston am nächsten Tag den entstandenen Schaden bei der Polizei anzeigen will, eskaliert die Situation erneut. Jedes Gerücht löst in dieser Zeit unmittelbar Zorn und Panik aus, sogar in den Zeitungen wird täglich davor gewarnt.

Bereits bei Kriegsausbruch hat sich in Gmunden eine Jugendwehr gebildet, ein Militär-Stationskommando, eine Pflegestätte des Roten Kreuzes und ein Not-Reservespital werden eingerichtet. Schloss Württemberg wird kurzerhand in ein Lazarett und Flüchtlingslager umgewandelt und bleibt es bis nach Ende des Ersten Weltkriegs.  

Als dieser im November 1918 zu Ende geht, kehren viele Soldaten nicht mehr in die Heimat zurück. Schon 1916 war es zu einer erheblichen Verschlechterung der Versorgungslage gekommen, aber der Zusammenbruch der Monarchie bringt eine erschreckende Zunahme an Diebstählen, Einbrüchen und Raubmorden mit sich. Jedoch erholt sich die wirtschaftliche Lage der Region rasch und erreicht im Jahre 1921 einen ersten Höhepunkt.

Auch während des Zweiten Weltkriegs wird Gmunden zur Lazarettstadt für die Aufnahme von verwundeten Soldaten. Ein Jahr nach Kriegsbeginn kommen die ersten Flüchtlinge an den Traunsee und finden vorübergehend in Schloss Württemberg Aufnahme. Im Jahr 1945 sind dann über 6000 Mann auf die Stadt und ihre Umgebung verteilt.

Während des Krieges werden auch „fremdvölkische Arbeitskräfte“, so die amtliche Diktion für zur Zwangsarbeit verpflichtete Kriegsgefangene, in die Gegend gebracht, um die zunehmenden Verluste an Arbeitskräften in der Landwirtschaft wettzumachen, in Reindlmühl entsteht ein russisches Internierungslager.

Zum Widerstand, der im Salzkammergut einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt, gibt es auch aus Altmünster etwas zu vermelden. So beginnt Karl Gruber 1944 Leute um sich zu scharen, die ein Zentrum konservativer Kräfte gegen den Nationalsozialismus bilden sollen, um Zivil- und Militärstellen zu zersetzen. Gruber, selbst Journalist, bringt bei seinen Heimatbesuchen die Untergrund-Zeitung „Freies Österreich“ mit und lässt sie durch die Mitglieder seiner Widerstandsgruppe verteilen.

Die Umgebung rund um den Traunsee bleibt während beider Weltkriege von Bombenangriffen verschont, zum Dank wird eine „Keramikfigur“ in der Stadtpfarrkirche Gmunden aufgehängt. Sie zeigt die Mutter Gottes mit einem langen, blauen Umhang, die ihre Hände schützend über See, Berg, Schloss Ort und Häuser hält. Das Kunstwerk ist bis heute erhalten geblieben.

© CC BY-SA 4.0-altmünster-weg-artmünster-beyondarts-app-1000

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