Die Sage vom Heidenkopf
Der Heidenkopf an der Kirche zu Altmünster
An der südlichen Außenseite der Pfarrkirche zu Altmünster ist ein seltsamer Kopf aus Stein eingemauert. Der Sage nach ist es das Bildnis eines heidnischen Baumeisters, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht, um die christliche Kirche zu vernichten.
Ein Gedicht von Josef Theodor Fischer, aus dem 19. Jahrhundert, beschreibt diese Sage. Von den 20 Strophen ist allerdings nur eine erhalten:
Aus alter Zeit da ist gewahr
Fünfhundert und noch etlich Jahr
Nach unsers Herren Christ Geburt
Das Münster da gebauet wurd.
Da stund von eh ein Götzenbild
Hält in der Hand wohl Schwert und Schild
Doch sich damit nit wehren mecht
Als mans zur Mitt von anner schlägt…
Und die Sage geht so: Ursprünglich wollten die Christen die Pfarrkirche dort bauen, wo das Standbild des Götzen Eren stand. Der Platz war allerdings zu klein. Deshalb entstand der Wunsch, den Bau der Kirche im Bereich der heutigen ,,Gottshaus-Häuser‘‘ an der Großalmstraße zu verlegen. Aber was die Christen tagsüber erbauten, war über Nacht wieder verschwunden.
So befragten sie ein Orakel, das ihnen folgendes auftrug: Sie sollten zwei ungezähmte Ochsen vor einen Wagen mit dem Grundstein spannen. Man solle sie gehen lassen, wohin sie wollten und an dem Ort die Kirche bauen, wo sie zu stehen kommen.
Die Ochsen zogen den Wagen an den Ort, wo der heilige Paulus einst gepredigt hatte. Endlich war der Platz für den Kirchenbau gefunden! Doch der Baumeister, der ein Heide war, ging mit dem Teufel einen Pakt ein, um den Bau der Kirche zu vereiteln.
Der Teufel sollte ihm helfen, die Kirche um Mitternacht zu zerstören. Dieser willigte ein, aber nur unter einer Bedingung: würde der Teufel mit dem Licht des ersten Mondscheines, das am See reflektiert, den ersten Stein des Baus löse, so bekäme er die Seele des Baumeisters. Wäre aber der Baumeister derjenige, der den ersten Stein löst, dann wolle der Teufel ihm in allen nur erdenklichen Angelegenheiten dienstbar sein.
Um das erste Licht des Mondes nicht zu versäumen, stieg der Baumeister während eines fürchterlichen Gewitters auf den Turm. Er wurde vom Blitz getroffen und stürzte samt Stein in die Tiefe.
Der Sage nach schleppte der Satan die Seele des Baumeisters unter lautem Gelächter in die Hölle. Am Morgen fanden die Bauleute ihren toten Herrn und deuteten sein Sterben als Strafe des Himmels. Sie meißelten einen Kopf aus jenem Stein, der mit ihm hinabgestürzt war. Diesen mauerten sie zum schaurigen Andenken an der Stelle ein, wo der Meister, vom Blitz erschlagen, in die Tiefe gestürzt war. Dort ist der Steinkopf heute noch zu sehen.
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