Leben im Alter einst und jetzt
Tradition und Geschichte
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
In dumpfer Stube beisammen sind;
Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt,
Großmutter spinnet, Urahne gebückt
Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl. –
Wie wehen die Lüfte so schwül!
So heißt es in einem Gedicht von Gustav Schwab. Doch dazu etwas später mehr.
In der Antike fielen die Urteile über das Alter sehr unterschiedlich aus. Die Spartaner achteten ältere Menschen, genauer gesagt, Männer, so hoch, dass nur die über 60-jährigen in den politischen Ältestenrat aufgenommen wurden.
Und auch der griechische Philosoph Platon (427-347 v. Chr.) konnte dem Alter durchaus Positives abgewinnen. Das Älterwerden bringe Vorteile mit sich, behauptete er - mehr Gelassenheit zum Beispiel und die Fähigkeit, den Blick auf höhere Werte zu lenken, für die man in der eher triebgesteuerten Jugendzeit kaum Verständnis habe.
Platons Schüler Aristoteles (384-322 v. Chr.) hingegen konnte sich für das Alter nicht recht erwärmen. Er war der Ansicht, dass die alten Menschen allesamt schwer zu ertragen seien. Er hielt sie für egoistisch, launisch, misstrauisch, geizig und kleinkariert.
Sobald wir älter werden und uns mit den nachlassenden Kräften oder gar mit Pflegebedürftigkeit auseinandersetzen müssen, entwickeln wir idyllische Bilder von alten Menschen, die im trauten Familienkreis gepflegt werden. In früherer Zeit – so glauben viele – war auch der betagte Mensch nicht einsam und isoliert, sondern wurde geachtet.
Doch dieses romantische Ideal stellt sich schlichtweg als falsch heraus. Die viel gepriesene Gemeinschaft in der Großfamilie entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Illusion. Immerhin lebte die Durchschnittsfamilie in den Jahrhunderten vor uns mit mindestens fünf Personen in sehr beengten Verhältnissen, Privatsphäre gab es so gut wie nicht und die einzelnen Familienmitglieder waren je nach Geschlecht und Generation einer strengen Ordnung unterworfen. Das Zusammenleben gestaltete sich keineswegs harmonisch. Trotzdem hält sich der Mythos von der guten alten Großfamilie hartnäckig.
Die gesellschaftlichen Strukturen haben sich verändert und in vielerlei Hinsicht deutlich verbessert. Wir dürfen heute mit einer höheren Lebenserwartung rechnen. Ältere Menschen können lange selbstständig und unabhängig bleiben. Dass dies in den meisten Fällen gelingt, verdanken wir den Sozialversicherungen, auch wenn das System allmählich an seine Grenzen stößt.
Die hohe Lebenserwartung ist ein Grund dafür, dass die Zahl der Generationen innerhalb der Familien gestiegen ist. Doch die meisten leben nicht mehr unter einem Dach, sondern pflegen ihre Familienbande lieber auf Distanz. Die Haushalte, in denen tatsächlich noch „Urahne, Großmutter, Mutter und Kind in dumpfer Stube beisammen sind“ – wie es in der eingangs zitierten ersten Strophe des Gedichts von Gustav Schwab heißt – nehmen kontinuierlich ab.
Stetig erweitert werden allerdings die Angebote für die Generation „Best Ager“. Altenwohnheime, betreubare Wohnungen, Seniorenresidenzen – für jeden und jede ist etwas dabei, auch hier in Altmünster. Schließlich wollen wir die vielen positiven Seiten des Alters so lange wie möglich genießen.
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