Die Bürgerspitalkirche Gmunden
Heilige, Missionare und Inquisitoren
Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet, ist die Bürgerspitalkirche in Gmunden dem Heiligen Jakobus dem Älteren geweiht. Er ist einer der zwölf Jünger von Jesus und gehört zu dessen ersten Begleitern. Die Kirche steht als Spitalkirche des Hl. Jakobus unter Denkmalschutz. Sie gehört zum ehemalig angrenzenden ,,Bürgerspital‘‘, das seit 1343 belegt ist, der Versorgung der Armen aus dem Bürgerstand dient und erst 1789 aufgelassen wird.
Ab dem 15. Jahrhundert ist die Spitalkirche die Hauskirche des Salzamtes im angrenzenden Kammerhof, dessen hohe Persönlichkeiten hier bestattet werden. Bekannt als Amtskapelle, finden Bestattungsfeiern, Taufen und Trauungen ebenfalls statt.
Errichtet von einem unbekannten Baumeister ist die Kirche einschiffig, hat ein zweijochiges Langhaus und ein Kreuzrippengewölbe.
Eine Besonderheit ist das vergitterte Fenster an der rechten Mauer ganz oben beim Durchgang zum Kammerhofgebäude. So konnten die Bewohner des Hauses bequem an den Messen teilnehmen, ohne die Kirche betreten zu müssen. Das Fenster wurde wieder freigelegt und heute kann man vom Museum nicht nur wieder in den Kirchenraum blicken, sondern ihn auch betreten.
Im Mittelfeld des neugotischen, im 19. Jahrhundert errichteten Hochaltars befinden sich unter der thronenden Madonna vier knieende Statuen:
Der Heilige Jakobus, der Heilige Georg, der Heilige Karl Borromäus und der Heilige Franz Xaver.
Der Heilige Karl Borromäus ist im 16. Jahrhundert Erzbischof von Mailand und harter Verfechter der katholischen Gegenreformation. Als italienische Protestanten nach Graubünden fliehen, überzeugt der eigens angereiste Karl Borromäus die dortige Obrigkeit, die keine Verfahren wegen Ketzerei zulässt, die Protestanten stattdessen einfach der Hexerei zu bezichtigen.
Auch eine Statue des heiligen Franz Xaver findet sich am Altar. Dieser ist Mitbegründer des Jesuitenordens und Wegbereiter der christlichen Missionierung Ostasiens. Ähnlich Karl Borromäus kennt auch er wenig Erbarmen. Da sich in Indien zwar viele Menschen taufen lassen, aber nebenher ihren alten Ritualen weiter anhängen, ersucht Franz Xaver 1545 den König von Portugal, die Inquisition nach Indien zu schicken.
Links und rechts der thronenden Madonna befinden sich die Heilige Barbara und Agnes, beide Märtyrerinnen. Zu beiden Seiten des Hochaltars stehen lebensgroße Figuren der Apostel Petrus und Paulus.
An der linken Wand finden wir den Marienaltar, an der rechten den Josefialtar. Eine Besonderheit dieses Altars ist die Darstellung der Vermählung von Josef und Maria, die in der bildenden Kunst nur selten dargestellt ist.
Im Zuge der Renovierung im 17. Jahrhundert bekommt das gotische Gemäuer eine Turmzwiebel aufgesetzt, die später aber wieder durch ein spitz zulaufendes Dach ersetzt wird.
Leider ist von der originalen gotischen Ausstattung kaum etwas vorhanden, die Kirche wurde daher im 19. Jahrhundert mit neugotischem Inventar versehen.
Allein die Architektur, die Kreuzrippen, ein Wappenfresko aus der Zeit Maximilians um 1490 und das spätgotische Sandsteinportal, das in den neuen Haupteingang in die Arkaden versetzt wurde, sind noch Zeugen aus der Zeit der Gotik.
© beyondarts-altmünster-weg-artmünster-app-1000