Romanischer Taufstein

Ein Taufbecken erzählt Geschichten

„Saxa loquuntur“: Steine, die sprechen

Steine verraten nicht nur ihre Herkunft, sie geben auch Geheimnisse preis. Und diese sind nicht nur in Inschriften, sondern auch in Bildern und Reliefs verborgen, wie bei diesem romanischen Taufbecken.

Neben dem Kirchturm ist das aus dem 12. Jahrhundert stammende achteckige romanische Taufbecken eines der wenigen Relikte aus der Gründungszeit des Klosters. In der Taufkapelle, auf der linken Seite des Chorraums, finden wir das Becken, gefertigt aus rötlichem Kalkstein – dem Hierlatzkalk – mit weißer Marmorierung, es sind versteinerte Seeanemonen. Der Hierlatz ist übrigens jener Bergrücken, der unmittelbar im Süden von Hallstatt aufragt.

Hinter den Darstellungen auf den Außenflächen verbergen sich weitere Geheimnisse: Sie zeigen neben dem Brustbild eines Menschen vier Tiere, für das Christentum bedeutsame Symbole. Die Taube steht für die Spiritualität, den Geist Gottes. Der Bock für die Sünde. Der Fisch erinnert an den Ursprung des Christentums. Und die fliehende Schlange, unterhalb auf einer der schräg nach unten führenden Flächen, ist das Symbol des Bösen, für die Erbsünde, von der der Mensch durch das Sakrament der Taufe gereinigt wird.

Die Taube steht für die Versöhnung mit Gott und ab dem 6. Jahrhundert nach Christus als Zeichen für den Heiligen Geist. So wie die Taube immer zu ihrem Nest, zu ihrem Taubenschlag, zurückfindet, so bringt der Geist Gottes stets jeden Gläubigen zu seinem Ursprung zurück. So heißt es im Evangelium nach Matthäus 3, Kapitel 16: „Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.“

Der Ziegenbock (lateinisch: hircus, haedus) gilt allgemein als ein Tier, das mit einem besonders starken Geschlechtstrieb ausgestattet ist. Nach antiker Vorstellung ist der Bock das Reittier der Aphrodite, der Göttin der Liebe. Auch in den Mysterien des Dionysos, des griechische Gott des Weines, der Ekstase und der Fruchtbarkeit, spielt er eine wichtige Rolle.

Pan, der griechische Gott der Wälder und Wiesen, mit dem Unterkörper eines Widders oder Ziegenbockes, wird besonders von Hirten verehrt, aber auch gefürchtet. Denn allein sein Blick kann jeden Menschen in den Wahnsinn treiben.

In der Antike symbolisiert der Bock – ohne jede sittlich-moralische Bewertung – die Zeugungskraft und Triebhaftigkeit der Natur. Später, durch die lustfeindlichen Ansichten des Christentums, wird der Bock zum Sinnbild des Teufels und der Luxuria, die Personifikation der Wollust – eine der sieben Todsünden. Das Christentum stellt den Teufel mit dem Unterkörper eines Ziegenbocks dar und unter ihrem Einfluss wandelt sich die ursprünglich positive Bedeutung des Ziegenbocks in ihr Gegenteil.

Der Fisch, am Taufbecken oberhalb der Schlange dargestellt, ist eines der ältesten Symbole des Christentums. Dieses ist zu Beginn unter dem Polytheismus, dem Vielgötterglauben der Römer, verboten.  Und es ist gefährlich, sich dem Eingottglauben, dem Christentum, anzuschließen, denn dieses lehnt die Vergöttlichung des Kaisers ab. Die Weigerung der Christen, dem Kaiser Opfer zu bringen, führt unter anderem zur Christenverfolgung. Da viele ihren Glauben daher nicht öffentlich ausleben, entsteht ein Geheimcode, ein Symbol in Form eines Fisches, um sich untereinander zu erkennen. Auf Altgriechisch besitzt das Wort „Fisch“, wie im Deutschen, fünf Buchstaben (IXΘYΣ: I-Ch-Th-Y-S) und jeder der fünf Buchstaben steht im Altgriechischen für ein mit Jesus verbundenes Wort. IΗΣΟΎΣ-Jesus-ΧΡΙΣΤΌΣ-Christos-ΘΕΟΎ-Theo-ΥΙΌΣ-Yos- ΣΩΤΉΡ-Soter („, Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser“).

Als Kaiser Konstantin durch die sogenannte Mailänder Vereinbarung von 313 das Christentum zur „religio licita“, also zur zulässigen Religion erklärt, gerät die Bedeutung des Fisches im Laufe der Zeit in Vergessenheit. An seiner Stelle wird das Kreuz zum religiösen Symbol des Christentums.

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