Der Hochaltar
Ein barocker Hochaltar in Gold
Ein Bergmann aus Hallstatt bekommt den Auftrag, den Knappenaltar, einen gotischen Schnitzaltar, zu Brennholz zu zersägen. Er leistet der Anordnung nicht Folge und bewahrt ihn vor der Vernichtung.
Ein halbes Jahrhundert später ist in derselben Kirche auch der große Hallstätter Marienaltar in höchster Gefahr. Er solle 1799 durch einen der Barockaltäre aus der Stiftskirche von Mondsee ersetzt werden. Da kein Geld für Abbruch und Transport aufzutreiben ist, ist auch er gerettet.
Was ist die Ursache für diese Zerstörungswut? Das künstlerische Programm des tridentinischen Konzils verlangt mehr Volksnähe und realistischere Darstellungen von Heiligen. Bilder, die religiöse Inhalte falsch oder unchristlich darstellen, sind aus den Kirchen zu entfernen. Künstlern wird das enge Korsett der katholischen Glaubenslehre angelegt.
Das ist auch einer der Gründe, warum die gotischen Flügelaltäre, von denen es knapp 2000 in Oberösterreich gab, mit wenigen Ausnahmen zerstört wurden. Man hat mit ihnen ebenso gründlich aufgeräumt, wie die Gotik mit den romanischen Kunstwerken und deren Architektur. Die Schnitzaltäre wurden verbrannt, manchmal nur die Bildtafeln gerettet, von denen wenige in unseren Museen zu bewundern sind.
Pfarrer Johann Georg Finsterwalder, bis zum Ende seines Lebens als Pfarrer in Altmünster tätig, beauftragt Michael Zürn, der in Gmunden im Freisitz Mühlwang seine Werkstätte hat, mit der Anfertigung eines Hochaltars, der dem Bilde Joachim von Sandrarts würdig sei. Der mächtige Altaraufbau wird nach zwei Jahren, 1790, fertiggestellt und dessen künstlerische Qualität übertrifft das Bild Sandrarts bei weitem.
Finsterwalder erbt von seinen Eltern ein bedeutendes Vermögen und verwendet es zur Bezahlung des Altares. Seine hohen kirchlichen und weltlichen Titel – er war apostolischer Protonotar, der päpstliche Urkunden ausfertigt und Palatin, gläubiger Ritter des kaiserlichen Hofes – hat demnach das Recht, ein eigenes Wappen, drei Waldbäume vor blauem Hintergrund, zu führen. Über dem Wappen der Hut des apostolischen Protonotars, umsäumt von Schnüren mit je sechs Quasten links und rechts.
Den Mittelpunkt des Altares bildet das von Joachim von Sandrart signierte Gemälde ,,Der Tod des heiligen Benedikt‘‘, von der Witwe des Grafen Herberstorff 1636 in Auftrag gegeben. Sandrart, ein geachteter Kunstkenner und Kaufmann, besaß als Maler weniger originäre Kraft, denn Talent für Imitation. Den mächtigen Altaraufbau mit den Figuren der Heiligen fertigte der Bildhauer Michael Zürn. Vergleicht man dessen Skulpturen mit dem Bild Sandrarts, dann wird der Unterschied in der künstlerischen Qualität sofort sichtbar. Sandrarts Bild kennzeichnet deklamatorisches, frömmelndes Gehabe der Hauptdarsteller, ungelenke Gesten der Engel sowie mangelnder Zusammenhalt der verschiedenen Figurengruppen. Kurz: eine schwache Komposition.
Unmittelbar hinter dem Tabernakel entwickelt sich der Aufbau, im Zentrum das Bild ,,Tod des heiligen Benedikt‘‘, umrahmt von vier mächtigen Säulen, zwischen denen die über zwei Meter hohen Figuren des heiligen Florian und heiligen Georg stehen. Darüber, von Gesimsen eingefasst ein Fries, ganz nach antikisierender Art.
Die Säulenpaare mit korinthischen Kapitellen verbindet ein mächtiger Bogen, darunter das Wappen der Finsterwalder. Als krönender Abschluss ragt der Seelenwäger Erzengel Michael mit Flammenschwert und Waage fast bis zum Gewölbe des 16 Meter hohen Chores empor.
Die außerordentliche Bewegtheit der Figuren, deren bewundernswerte Lebendigkeit und der herrliche Faltenwurf ihrer Kleidung zeigt die charakteristischen Spuren der Arbeiten Zürns und zeugen vom hohen Können des Meisters.
Der neugotische Altar stieß bei der Bevölkerung nicht auf Gegenliebe, er wird entfernt und 1937 mit den wenigen Resten von Zürns Altar wieder aufgebaut. Heute ist der Altar noch immer von den hervorragenden Skulpturen Zürns aus dem 17. Jahrhundert geprägt, die Engel wurden allerdings auf den Altartisch heruntergeholt und die Heiligen links und rechts des Altars postiert. Vom neugotischen Altar des 19. Jahrhunderts blieben der Altartisch und der Tabernakel.
Vom Hochaltar des Meisters Zürn aus dem 17. Jahrhundert kann man ohne Zweifel behaupten, dass er als verlorenes Meisterwerk gilt.
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