Epitaph Scherffenberg

Das Epitaph Scherffenberg

Geheimnisse eines Denkmals

Es ist Pfingsten 1476. Nur wenigen Soldaten, die nicht erschlagen oder gefangengenommen werden, gelingt die Flucht. Bernhard von Scherffenberg hat das vereinigte Heer des böhmischen Königs und jenes von Matthias Corvinus, des ungarischen Königs, vernichtend geschlagen. Burg und Stadt Grein sind gerettet und die seit Jahren andauernden Verwüstungen der oberösterreichischen Gebiete, insbesondere nördlich der Donau, sind beendet.

Bernhard von Scherffenberg erhält vom Habsburger Friedrich III. für seine heldenhaften Verdienste den Titel Feldhauptmann ob der Enns, kurz darauf Landeshauptmann. So wird die Grundlage für Aufstieg und Reichtum des Geschlechts der Scherffenberg, der späteren Besitzer des Seeschlosses Ort, gelegt. Das Seeschloss bringen sie als Nutznießer der Gegenreformation durch die Enteignung der protestantischen Jörger von Tollet in ihren Besitz.

100 Jahre später. Das Epitaph in der Pfarrkirche Altmünster ist einem seiner Nachkommen, GOTTHARDEN HERRN VON SCHÄRFFENBERG AUF ORTT und seiner 1587 verstorbenen Frau APOLONIA gewidmet, errichtet von seiner Tochter und seinem Schwiegersohn.

Griechisch „epitáphion“ „zum Grab gehörend“, ist ein in oder an einer Kirche angebrachtes Denkmal für einen Verstorbenen und meist nicht an derselben Stelle wie das Grab.

Die Inschrift, die Sie im Textlink nachlesen können, enthält, wie das gesamte Epitaph, einige Geheimnisse.

Wir erfahren etwa, dass es den Scherffenbergs gelang, sich durch Heirat mit wichtigen oberösterreichischen und böhmischen Adelsgeschlechtern zu verbinden. Das Epitaph greift auf architektonische Elemente der Antike zurück. Der Schrein, der von zwei Säulen mit korinthischen Kapitellen eingefasst ist, zeigt eine Kreuzigungsszene, eingerahmt von einem Renaissanceportal. Im Hintergrund wird Jerusalem als mittelalterliche Stadt dargestellt, den Bogen des Portals bildet ein Wolkenband mit Engelsköpfchen. Akanthusblätter füllen die Zwickel links und rechts des Bogens. Maria und Johannes trauern links und rechts des Kreuzes. An dessen Basis liegt der Schädel Adams, des ersten Menschen, dessen Grab sich der Legende nach an jener Stelle befindet, an der das Kreuz Christi errichtet wurde.

Unter dem Schrein kniet der betende Gottharden von Scherffenberg, gegenüber seine verstorbene Gemahlin aus dem reichen und mächtigen mährischen Geschlecht der Mezericky, den Herren von Lomnitz und Meseritsch. Umgeben von den engsten Verwandten, von denen alle, bis auf die Tochter, mit einem Kreuz auf dem Scheitel als bereits Verstorbene gekennzeichnet sind.

Zu beiden Seiten der Szene personifizieren Frauen jene Attribute, die für die traditionell hoch gebildeten Scherffenbergs von Bedeutung sind: COGITATIO – das tiefe Nachsinnen, dargestellt durch eine lesende Frau inmitten von Büchern, FIDES – der Glaube, symbolisiert durch Kelch und Kreuz, SPES – die Hoffnung, dargestellt als angekettete Frau und CHARITAS – die Nächstenliebe.

Das Epitaph besteht aus demselben dunkelroten bis rot-weiß gesprenkelten Hierlatz-Kalkstein wie das romanische Taufbecken. Die äußere Umrahmung verwendet architektonische Elemente antiker Tempel verbunden mit Grotesken, fantastisch gestalteten Tier- und Menschenköpfen. Typisch für die Renaissance, das französische Wort für „Wiedergeburt“, ist die Wiederbelebung der kulturellen Leistungen der griechischen und römischen Antike.

Auf dem obersten Gesims trauern zwei Putti, nackte Kindergestalten, von denen sich die rechte auf das Wappen der Meseritsch (Velké Meziříčí), der linke Putto auf das Wappen der Starhembergs stützt, zwischen ihnen das Scherffenbergsche Wappen. Unmittelbar darunter ein kaum zu widerlegender Hinweis, dass die Schärffenbergs, wie damals ganz Oberösterreich, dem Protestantismus anhingen:

Die Inschrift, die Sie ebenfalls hier nachlesen können, ist nämlich ein Originalzitat aus der Lutherbibel, Matthäus, Kapitel 11, Vers 28-30.

Im Zuge der Gegenreformation, der Verpfändung Oberösterreichs durch Ferdinand II. an Max von Bayern, der Adam von Herberstorff als Statthalter einsetzte, fand diese wirtschaftlich und kulturell blühende Epoche des Protestantismus in Oberösterreich mit der Vertreibung und Hinrichtung der tonangebenden Jörger von Tollet ein Ende.

„Das Verzeichnis des umgefallenen Wildbrets habe ich empfangen. Es ist ziemlich viel, aber um die Wahrheit zu bekennen, habe ich mich eines viel größeren Schadens besorgt. Ich wollte wünschen, dass so viel Prädikanten (= evangelische Prediger) und rebellische Rädelsführer dafür verreckt wären.“

Das ist die Reaktion Ferdinands II. auf die Dezimierung des Wildbestandes durch einen harten Winter. Als Hauptverantwortlicher für den 30-jährigen Krieg und fanatischer Gegenreformator leitet er den Beginn des Untergangs des Hauses Habsburg ein.

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