Allerheiligenkapelle

Die Allerheiligenkapelle

Heilige und Märtyrer inmitten von heidnischen Fabelwesen

Allerheiligen, wer kennt das Fest nicht. Aber wo liegt dessen Ursprung? Im Lauf der ersten Jahrhunderte des Christentums wird es wegen der steigenden Zahl von Heiligen, meist Märtyrer und Märtyrerinnen, zunehmend schwierig, jedem Heiligen ein eigenes Fest zu widmen. Daher entscheidet man sich, das Gedenken an alle auf einen einzigen Tag zu legen.

Das Zentrum der Allerheiligenkapelle, 1508 vom Vikar Sigmund Neunfelder erbaut, ist der Allerheiligenaltar. Die Gruppe der Heiligen im Schrein, die Figuren der Predella und jene des Gesprenges stammen aus der Zeit der Spätgotik, erkennbar an den Spitzbögen des Kreuzrippengewölbes.

An der Predella, der Basis des Altars, steht in gotischer Schrift „ANNO DOMINI 1518“ („anno doi 1518“). Auffallend ist die rechte Figur, die die Heilige Martina darstellt. Der Überlieferung zufolge soll die Christin Martina dazu gezwungen werden, im Tempel des Apollon ein Opfer darzubringen. Vor der Statue des Apolls bekreuzigt sie sich, worauf das Götterbild zerbricht und der Tempel einstürzt.

Im Zentrum des Altars befindet sich der Schrein mit einer Ansammlung von Heiligen, wie am unteren Rand zu lesen:
„HOC ALTARE COSECTU EST IN HONORE OMNIUM SANCTOR“
Übersetzung aus dem Lateinischen:
"DIESER ALTAR WURDE ZU EHREN ALLER HEILIGEN ALLER ERRICHTET"

Die Buchstaben der Inschrift sind nicht mehr gotisch, sondern bereits in Renaissance Antiqua geschrieben. Typisch für die Architekturelemente der Renaissance ist der Rückgriff auf die Antike. Die Säulenpaare links und rechts sind mit Wein- und Efeu umrankt, die Kapitelle schließen die Säulen mit Akanthusblättern und schneckenförmigen Ornamenten ab.

Delphinähnliche Fabelwesen krönen die Säulen. Im Feld zwischen den Gesimsen zeigt sich eine Nereide, eine Begleiterin Poseidons, ein Mischwesen mit dem Oberkörper einer Frau und Unterleib eines Fisches.

Girlanden mit Früchten hängen über den heiligen Frauen und Männern, manche von ihnen mit den Folterwerkzeugen dargestellt: in der ersten Reihe in der Mitte die Heilige Barbara mit dem Schwert und rechts Dyonisius, Bischof von Paris, mit dem Kopf in der Hand, beide wurden enthauptet. Links der Heilige Jakob mit der Pilgermuschel auf dem Hut und der Tuchwalkerstange in der Hand, mit der er erschlagen wurde. Petrus mit dem Schlüssel und zwei Stifter mit Kirchenmodellen stehen im Zentrum des Schreins.

Die Figuren des Altars zeigen unter der jetzigen Fassung Spuren von Bemalung. Rot, Gold und Gelb, Farben, die auf die bunte Bemalung der Kapelle abgestimmt waren.

Den oberen Abschluss des Altars, das Gesprenge – ursprünglich bei gotischen Schnitzaltären die Überleitung zur Architektur – bildet eine Kreuzigungsgruppe mit fantastischem Beiwerk.

Eher ungewöhnlich ist auch die ausdrucksstarke Darstellung der Prostituierten und Sünderin Maria Magdalena, erkennbar an ihrem langen, offenen Haar. Als Begleiterin von Jesus umfasst sie das Kreuz, von Schmerz überwältigt, während die Mutter Jesu und Johannes eher distanziert die Szene betrachten.

Hier oben entfaltet sich noch einmal die Fantasie des Bildhauers. Delphine, die aus Blumenkelchen schlüpfen, türmen sich zu einem großartigen finalen Abschluss und verbinden den Altar mit den gotischen Kreuzrippen.

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