Klostergründungen unter Tassilo III.
Kolonisator, Herzog und zuletzt Mönch
Unbekannte Stifter gründen das Benediktinerkloster Altmünster zwischen 748 und 777 n. Chr. Allerdings schreibt man diese Klostergründung, sowie jene von Kremsmünster um 777, dem bayerischen Herzog Tassilo III. zu. Denn nach den Eroberungen der Ungarn um 950 findet man keine Klostergründungen mehr, die den Namen „Münster“ tragen. Demnach passt die Gründung von Altmünster genau in diese Zeitspanne.
Denn die bayerische Landnahme, besser die Kolonisation des waldreichen, hauptsächlich von Slawen besiedelten Traungaus und dessen angrenzenden Gebieten, steht in enger Verbindung mit den Klostergründungen. Slawen roden die Wälder im herzoglichen Forst von Dietach, Sierning und Eberstalzell. Tassilo III. übergab diese neuen Ländereien als Dotation, also Stiftung mit Einkünften und Gütern dem Kloster Kremsmünster.
Zur gleichen Zeit werden auch St. Wolfgang, Stadl Paura und wahrscheinlich auch Altmünster gegründet. All diese Klöster dienen zur Festigung der bayerischen Binnenkolonisation und der Zurückdrängung des slawischen Siedlungsraumes.
In der Gründungszeit der Klöster weitet Tassilo III. seine territoriale Machtstellung weiter nach Osten aus. Er unterwirft die Karantanen, ein slawisches Fürstentum, heute das Gebiet von Kärnten, und steigt im 6. Jahrhundert zum mächtigsten Herzog der Agilolfinger auf.
Aus wirtschaftlichen und politischen Gründen vertieft Tassilo III. seine Freundschaft mit den Langobarden, die im Gebiet des heutigen Oberitaliens herrschen. Sein Ziel ist durch Bündnisse die bayerische Unabhängigkeit vom Reich Karls des Großen zu erreichen.
Doch dann geht alles schief. Als sein Vetter, Karl der Große, das Langobardenreich erobert, verliert Tassilo seine engsten Verbündeten. Natürlich widerspricht dieses Bündnis den Reichsinteressen Karls des Großen und Tassilo III. wird vom Herzog zum Lehensmann degradiert.
Den Vorwand dazu liefert ein angebliches Bündnis Tassilos mit den Awaren 20 Jahre zuvor. Kaiser Karl der Große lässt Tassilo III. zum Tode verurteilen, denn er fürchtet, dass dieser ihm beim Feldzug gegen die Awaren in den Rücken fallen könnte. Beweise für ein Bündnis zwischen Awaren und dem Herzogtum Bayern existieren allerdings nicht.
Karl der Große lässt seinen Vetter aber nicht hinrichten. Tassilo wird unter der Bedingung begnadigt, dass keines seiner Kinder seine Gebiete erbt. Er beschließt sein Leben als Mönch in der Benediktinerabtei Jumièges in Frankreich.
Bis heute ist nicht gesichert, wo und wann Tassilo III., der mächtigste bayerische Herzog, gestorben ist. Kolonisator, Herzog und zuletzt Mönch. Diese Information findet sich in den mittelalterlichen Annalen des Klosters Kremsmünster, das er, wie Mondsee und vermutlich auch Altmünster, gegründet hat. Historiker glauben, dass Tassilo III. im südhessischen Benediktinerkloster Lorsch, seit 1991 UNESCO-Weltkulturerbe, seine letzte Ruhestätte gefunden hat.
Karte: Baiern unter den Agiolfingern im Jahre 772 © CC BY-SA 4.0
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