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Ausgabe 02

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

 

Wir wissen die tägliche Arbeit und den Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Berufsgruppen sehr zu schätzen. Die NÖ Landeskliniken-Holding ist daher laufend bemüht, optimale Bedingungen für Ihre verantwortungsvollen Tätigkeiten zu schaffen und Sie bestmöglich zu unterstützen. 

Die Erweiterung um den „dritten Lernort“ bei den Pflegeassistenzberufen am Landesklinikum Mauer ist ein gutes Beispiel dafür. Um den gesetzlichen Anforderungen der Pflegeausbildungen entsprechen zu können, wurden ins­gesamt sieben Trainingsräume, zwei Klassenzimmer, ein Rechercheraum mit fünf PC-Arbeitsplätzen, ein Trainingsbadezimmer und ein Aufenthaltsraum für den 3. Lernort eingerichtet. Hier sollen nun Theorie und Praxis durch den Lernbereich Training ergänzt und verknüpft werden.

Besonders stolz sind wir außerdem auf die Auszeichnung Ihres Klinikums als exzellentes Unternehmen Österreichs 2019 im Bereich Unternehmensqualität von der Quality Austria. Als außergewöhnliche Organisation mit hervorragender operativer „Excellence“ in allen Kern- und Dienstleistungsprozessen, wurde das Klinikum mit 5 Sterne Niveau von den externen Assessoren der Quality Austria bewertet. Dies ist ein weiterer Meilenstein in Richtung innovatives und modernes Kompetenzzentrum für seelische und körperliche Gesundheit auf europäischem Spitzenniveau. Wir gratulieren Ihnen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, herzlich und freuen uns, dass Ihr Engagement und Ihre Leistungen ausgezeichnet wurden.

Im vorliegenden Heft erhalten Sie viele weitere Informationen rund um Ihr Klinikum und unsere Organisation – wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre!

 

Dipl. KH-BW Helmut Krenn  (Kaufmännischer Geschäftsführer, NÖ Landeskliniken-Holding)            

Dr. Markus Klamminger (Medizinischer Geschäftsführer, NÖ Landeskliniken-Holding)                      

Mag. Mag. (FH) Konrad Kogler  (Geschäftsführer Personal und Organisation, NÖ Landeskliniken-Holding)

Dr. Andreas Krauter, MBA  (Regionalmanager Mostviertel, NÖ Landeskliniken-Holding)

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

 

Die Rolle der Psychiatrie im Nationalsozialismus gehört sicher zu den dunkelsten Kapiteln der Psychiatrie in Österreich und Deutschland. Ärzte waren als Gutachter, Organisatoren und Ausführende an der Zwangssterilisation von 400.000 und an der Ermordung von 250.000 Menschen beteiligt. Mit dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurde die schon länger bestehende Ideologie der Eugenik aufgegriffen und führte zu den unvorstellbaren Ereignissen. In den Erbgesundheitsgerichten wurde über die Zwangssterilisation von Menschen mit Krankheiten wie Schizophrenie, Manie, Epilepsie und Alkoholabhängigkeit sowie Menschen mit Behinderungen oder homosexueller Orientierung entschieden. In groß angelegten Propagandaaktionen wurde auf die ökonomische Dimension hingewiesen. Die Menschen wurden auf Grund ihrer ökonomischen Leistungsfähigkeit als für die Gesellschaft wertvoll oder belastend eingeteilt. Es wurde entschieden, was als unwertes Leben zu betrachten ist und wer als Ballastexistenz geführt wird.

Ab 1940 begann mit der Aktion T4 die systematische Ermordung von Patienten in Heil- und Pflegeanstalten. Die Opfer wurden durch Gutachter ausgewählt und in Tötungseinrichtungen gebracht. Diese waren in Hadamar, Brandenburg, Grafeneck, Bernburg, Pirna-Sonnenstein und in Österreich in Hartheim. In Österreich wurden Patienten aus Wien Steinhof, Ybbs an der Donau, Mauer-Öhling, Linz, Salzburg, Klagenfurt, Hall in Tirol, Rankweil in Vorarlberg und anderen Einrichtungen nach Hartheim gebracht und dort sofort vergast und eingeäschert. Die Aktion T4 wurde eingestellt, aber das Töten ging dezentral in den Einrichtungen bis Kriegsende weiter. Ärzte und Pfleger ermordeten die Patienten mit Medikamentenüberdosierungen und durch Vernachlässigung und Nahrungsentzug. Zu einem Ende dieser Verbrechen kam es erst nach der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945. Ein Kriegsende mit 60 Millionen Toten. Für viele bedeutete dieser Tag die Befreiung vom Nationalsozialismus, Menschen wurden aus dem KZ befreit, im Untergrund Tätige und versteckte Menschen waren wieder frei. Die Patienten blieben in den Anstalten. Für andere begannen Vertreibung, Besatzungszeit und Kriegsgefangenschaft. In dieser Zeit begann auch die strafrechtliche Verfolgung von Tätern. Es kam zu milden und strengen Strafen bis zu Todestrafen. Die Strafen korrelierten oft nicht mit der Schwere der Verbrechens. Viele entzogen sich durch Flucht oder Suizid der Strafgerichtsbarkeit. Was kann die heutige Generation tun? Eine Generation, die keine Schuld an den Verbrechen in der NS-Zeit hat aber die Verantwortung trägt, eine Wiederholung zu verhindern. Ich denke, man muss die Aufarbeitung weiter betreiben, Zeichen setzen, damit die Erinnerung erhalten bleibt und das Wissen an zukünftige Generationen weitergeben. Die Aufarbeitung der Geschichte wurde gemeinsam mit Historikern begonnen. Die Zusammenarbeit mit dem Institut für Jüdische Geschichte Österreichs, insbesondere mit Martha Keil, Philipp Mettauer, Wolfgang Gasser und Tina Frischmann, hat vielversprechend begonnen und ist auch in der Zukunft geplant. Mit dem Mahnmal von Florian Nährer entsteht im Landesklinikum Mauer ein Ort, an dem man den Opfern der NS-Euthanasie gedenken kann, aber auch ein Lernort, an dem man aus der Geschichte lernen kann. Hier wird jeder Einzelne an die Verpflichtung erinnert, sich entschieden gegen jede Form von Diskriminierung und Rassismus zu stellen.

Da das Landesklinikum Mauer mit seiner derzeitigen Ärzteausbildung und seinem zukünftigen Bildungscampus eine zentrale Rolle in der Ausbildung von Gesundheits- und Sozialberufen spielen wird, besteht die Notwendigkeit, dass auch die Geschichte der Psychiatrie in der NS-Zeit ein fixer Ausbildungsinhalt wird.

 

Primar Dr. med. K. Christian Korbel (Ärztlicher Direktor)