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    Heinrich von Ferstel

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    Die Stadterweiterung Wiens um 1870

    Ein noch nie dagewesenes Monumentalprojekt

    Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts stehen an Stelle der Wiener Ringstraße die Wiener Basteien. Diese Art der Befestigung hat sich während der 2. Türkenbelagerung 1683 noch sehr bewährt, ist aber spätestens seit Ende des 18. Jahrhundert militärisch hoffnungslos veraltet und stellt nun ein Verkehrshindernis dar.

    Also befiehlt Kaiser Franz Joseph 1857 die Schleifung der Verteidigungsanlagen. Als er am 1. Mai 1865 die Wiener Ringstraße eröffnet, ist von der heutigen Ansammlung prächtiger Gebäude noch nicht viel zu sehen.

    Die Eröffnung ist vielmehr der Startschuss für eine der größten städtebaulichen Maßnahmen der damaligen Zeit. Und nicht nur das österreichisch-ungarische Herrscherhaus will sich hier in Szene setzen, sondern auch und vor allem das erstarkende Wiener Bürgertum.

    Alle errichteten Gebäude, ob öffentlich oder privat, folgen im Wesentlichem dem architektonischen Erscheinungsbild des Historismus. Von der griechischen Antike bis ins Barock reichen die baulichen Zitate, die von Europas Architekturelite bemüht werden: etwa griechisch-römisch für das Parlament, gotisch für das Rathaus oder Vorbilder aus der Renaissance für die Museen, die Oper und das Burgtheater.

    Heinrich von Ferstel, bereits einer der berühmtesten Architekten seiner Zeit, beteiligt sich zwar nicht direkt an der Konkurrenz für den Wiener Stadterweiterungsplan - er fungiert in diesem Zusammenhang als Juror -, aber er entwickelt Pläne für im Zuge der Stadterweiterung wichtig gewordene Plätze.

    So erstellt er etwa für den Votivkirchenplatz Parzellierungspläne, errichtet auch einige repräsentative Miet- und Wohnhäuser und es wurde festgelegt, dass sich alle weiteren Gebäude an das von Ferstel vorgegebene Rahmenkonzept zu halten hatten. Mit dem wunderschönen Palais Erzherzog Ludwig Viktor am Wiener Schwarzenbergplatz gibt er gleichsam die Richtlinien für die gesamte Verbauung des Platzes vor.

    Städtebauliche Überlegungen stellt Ferstel auch hinsichtlich der geeignetsten Wohnform in der Stadt an. In seiner Denkschrift „Das bürgerliche Wohnhaus und das Wiener Zinshaus“ spricht er sich gegen die Massenunterbringung in großen Zinshäusern aus, da, wie er meint, diese Wohnform den moralisch sittlichen Verfall der Stadtbewohner fördere.