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    Die Aula der Universität Wien

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    Die Nobelpreisträger der Universität Wien

    Licht und Schatten

    Eine Universität ist ein Hort des Geistes – doch wie die Geschichte zeigt, bietet sie leider nicht immer Schutz vor Diskriminierung und Verfolgung. An diese Licht- und Schattenseiten will die Installation „Nobelpreis und Universität Wien“ erinnern. Sie wurde von Bele Marx und Gilles Mussard entwickelt.

    Der erste Preisträger war der Ohrenarzt Robert Bárány. 1914 wurde er für seine wegweisenden Untersuchungen des Bogengangapparates ausgezeichnet, dem im Innenohr befindlichen wichtigsten Gleichgewichtsorgan des Menschen.

    1927 konnte der Psychiater Julius Wagner-Jauregg den Nobelpreis für seine Entdeckung der therapeutischen Bedeutung der Malariaimpfung bei progressiver Paralyse entgegen nehmen. Kontrovers diskutiert werden seine rassenhygienischen Ideen.

    1930 hatte die Universität Wien gleich zwei neue Preisträger. Der Nobelpreis für Chemie ging an Hans Fischer für seine Arbeiten über den Aufbau der Blut- und Pflanzenfarbstoffe. Und den Nobelpreis für Medizin erhielt der Immunologe Karl Landsteiner. Bereits 1901 hatte er das System der Blutgruppen erforscht, womit u.a. erst Bluttransfusionen möglich gemacht wurden.

    Schon drei Jahre später ging ein weiterer Nobelpreis an den Physiker Erwin Schrödinger für seine Erkenntnisse in der Atomtheorie. Er gilt als einer der Väter der Quantenphysik. Als Gegner der Nationalsozialisten musste er Österreich verlassen und emigrierte nach Irland.

    Der Physiker Viktor Franz Hess wurde 1936 für seine Entdeckung kosmischer Strahlung ausgezeichnet. Als Kosmopolit und Katholik lehnte Hess den Nationalsozialismus ab und emigrierte in die USA.

    Ebenfalls im Jahr 1936 erhielt der Physiologe und Pharmakologe Otto Loewi den Nobelpreis für Medizin für seine Entdeckungen bei der chemischen Übertragung der Nervenimpulse auf Organe. Zwei Jahre später musste Loewi vor den Nationalsozialisten fliehen, emigrierte zunächst nach England, dann in die USA.

    Der Mediziner, Zoologe und Verhaltensforscher Konrad Lorenz wurde 1973 für die Entdeckung der Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Über Konrad Lorenz’ Verstrickung in den Nationalsozialismus wird bis heute kontrovers diskutiert.

    1974 schließlich erhielt der Wiener Nationalökonom Friedrich August von Hayek den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Arbeit auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie.

    Im Zentrum der Installation befindet sich eine Stele mit einem Fragezeichen. Sie verweist auf all jene Wissenschafter und Wissenschafterinnen, deren Forschungen an der Universität Wien durch die Vertreibung im Nationalsozialismus behindert, unterbrochen oder zerstört wurden. Zugleich aber ist das Fragezeichen auch Motivation: Wer wird der nächste Nobelpreisträger oder die nächste Nobelpreisträgerin sein?