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    Büsten von Wissenschafterinnen

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    Marie Jahoda

    Sozialpsychologin und politische Aktivistin

    Marie Jahoda wurde am 26. Jänner 1907 in Wien geboren. Nach der Matura 1926 an einem Wiener Mädchen Realgymnasium absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Volksschullehrerin und Kindergärtnerin, studierte parallel dazu an der Universität Wien Psychologie und promovierte bei Professor Karl Bühler 1932 zur Doktorin für Philosophie.

    Bereits 1924 hatte sie sich dem Bund Sozialistischer Mittelschüler angeschlossen, wo sie bald leitende Funktionen übernahm. Auch während ihres Studiums blieb sie politisch aktiv, nun innerhalb der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Ihre politische Prägung wurde erstmals 1929 aktenkundig, als sie im Zuge einer Demonstration verhaftet wurde.

    Aber auch wissenschaftlich war Marie Jahoda höchst aktiv. 1933 entstand in Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Mann, Paul Felix Lazarsfeld, sowie mit Hans Zeisel, die berühmte Studie über die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch, die Auswirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit zu erfassen. Diese Studie gehört zu den Klassikern der empirischen Soziologie und macht deutlich, dass Langzeitarbeitslosigkeit nicht wie vielfach angenommen zu Revolte, sondern zu passiver Resignation führt.

    Als die Sozialdemokratische Partei im Zuge des Bürgerkriegs in Österreich 1934 verboten wurde, blieb Marie Jahoda im Untergrund politisch aktiv. 1936 wurde die mittlerweile renommierte Psychologin verhaftet und kam nach neunmonatiger Haft nur aufgrund internationaler Proteste frei. Allerdings mit der Auflage, Österreich innerhalb von 24 Stunden zu verlassen und die österreichische Staatsbürgerschaft abzulegen.

    Marie Jahoda emigrierte nach England, wo sie während des Zweiten Weltkrieges unter anderem für den Propagandasender „Radio Rotes Wien“ und das London Büro der Auslandsvertretung der österreichischen Sozialisten aktiv war.

    1945 übersiedelte sie in die USA, lehrte bis 1958 als Professorin für Sozialpsychologie an der New School for Social Research in New York und kehrte dann nach England zurück.

    Hier lernte sie ihren zweiten Mann, den britischen Labour-Abgeordneten im House of Commons Austen Albu kennen und übte bis 1965 mehrere Lehrtätigkeiten für Psychologie am Brunel College of Advanced Technology in Uxbridge bei London aus.

    Von 1965 bis zu ihrer Emeritierung 1973 hatte sie den Lehrstuhl für Sozialpsychologie an der Universität von Sussex inne. Marie Jahoda starb am 28. April 2001 in West Sussex, Großbritannien.