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    Büsten von Wissenschafterinnen

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    Elise Richter

    Phonetische Pionierin

    Elise Richter wurde am 2. März 1865 in Wien geboren. Sie war bereits über 30 Jahre alt, als 1896 Frauen zur Matura zugelassen wurden und damit auch die Studienberechtigung erhielten. So maturierte Elise Richter als Externistin und erste Frau am akademischen Gymnasium in Wien.

    Anschließend studierte sie an der Universität Wien Sprachwissenschaft und schloss ihr Studium 1901 mit dem Doktortitel ab. Die anschließende Habilitation allerdings gestaltete sich schwierig. Erst nach dreijährigem Kampf wurde sie 1905 als erste Frau per ministeriellem Erlass zur Habilitation zugelassen. Der damalige Dekan sprach sich dennoch gegen die Erteilung einer venia legendi, einer Lehrberechtigung, aus, weil er es für unmöglich hielt, dass sich Männer von einer Frau unterrichten lassen würden.

    1921 erhielt Richter den Titel einer außerordentlichen Professorin, allerdings ohne Anstellung und Gehalt. Wiederum als erste Frau. Knapp die Hälfte des zuständigen Universitätsgremiums hatte sich allerdings dagegen ausgesprochen.

    Elise Richter aber ließ sich vom scharfen Gegenwind, der ihr in ihrem beruflichen Umfeld entgegen blies, nicht beirren. 1928 übernahm sie die Leitung des phonetischen Instituts der Universität Wien und machte bahnbrechende Entdeckungen auf sprachwissenschaftlichem Gebiet, etwa zum Einfluss psychologischer Vorgänge auf die Sprache.

    Selbst der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 konnte die aus einer jüdischen Familie stammende Elise Richter nicht zum Verlassen Wiens bewegen. Eine letzte Möglichkeit zur Emigration nach Großbritannien ließen Elise und ihre Schwester Helene, eine renommierte Anglistin, 1939 ungenützt.

    Die beiden Schwestern wurden von den Nationalsozialisten 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Elise Richter starb dort 1943 im Alter von 78 Jahren. Die Gedenktafel befindet sich im Institut für Romanistik, Universitätscampus AAKH Spitalgasse 2 - Hof 8.