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    Joseph Freiherr von Sonnenfels

    Aufklärer, Jurist, Rektor und Berater

    Der Aufklärer Joseph Sonnenfels (1733–1817) war Berater mehrerer Regenten. Er übte auf Maria Theresia und ihren Sohn Josef II. großen Einfluss aus. Der geadelte Aufsteiger aus einer jüdischen Familie war ein Leuchtturm der Aufklärung, modern aber auch aufbrausend und moralisierend und fast zwanghaft reformfreudig: er reformierte die Staatsverwaltung, den Unterricht und die deutsche Hoch- und Verwaltungssprache.

    1763 erhielt er eine neu geschaffene Professur für Polizei- und Kameralwissenschaft (Staatslehre) an der Universität Wien und wurde zwei Mal zum Rektor gewählt. Die Abschaffung der Folter in Österreich 1776 – eine Pioniertat für Europa – geht auf ihn zurück. Er war auch Herausgeber der Zeitschrift "Der Mann ohne Vorurtheil", einem der wichtigsten Medien der Aufklärung in Österreich.

    1781 wurde ihm von Kaiser Josef II. auch die "Lehre des Geschäftsstils" übertragen, mit dem Auftrag, alle Gesetze einer stilistischen Prüfung zu unterziehen, womit er nachhaltig zur geistigen Formung der österreichischen Bürokratie beitrug. Die Publikation "Über den Geschäftsstil" erschien 1784, als Deutsch als Amtssprache für die gesamte Habsburgermonarchie eingeführt wurde und auch als Unterrichtssprache an den Universitäten statt des bisher vorherrschenden Latein.

    Sonnenfels bestärkte Josef II. beim Toleranzpatent und der Aufhebung kontemplativer Klöster und der Einziehung unproduktiver Kirchenvermögen zur Finanzierung der vom Staat übernommenen Aufgaben. Der Widerstand der Katholischen Kirche dagegen führte noch 1998 als Nachhall zu Dissens bei der Torbenennung nach Sonnenfels.

    Bildlegende: Büste Josef Sonnenfels von Alois Düll 1889, enthüllt 1891 im Arkadenhof der Universität Wien, Foto Pflügel © Universität Wien