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    Narrenturm

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    Behandlungen

    Vom Besessenen zum Kranken

    Die Errichtung des "Narrenturms" stellte damals eine wichtige Verbesserung dar: erstmals wurden die "Wahnwitzigen" als Kranke angesehen, nicht mehr als "Besessene" und sie wurden auch nicht mehr wie zuvor zur Belustigung öffentlich vorgeführt.

    Doch die medizinische Versorgung blieb bescheiden. Erst 30 Jahre nach Bezug durch die Kranken wurde 1817 erstmals ein leitender Arzt ernannt. Bis dahin wurden die InsassInnen von einigen jungen Ärzten des AKH mal mehr, mal weniger medizinisch mitversorgt. Primäres Ziel war lange Zeit die Ruhigstellung.

    Es gab nur bescheidene Therapie-Methoden, wie Diäten, fallweisem Aderlass, Verabreichung von Abführmitteln, kalten Güssen, Eiswasserklistieren und Hydro-Therapie.

    Das Wasser dafür musste in Eimern aus den Brunnen im AKH geholt werden, meist von den ruhigen und deshalb nicht eingesperrten PatientInnen, die in den unteren Etagen des Turms untergebracht waren. Erst Jahrzehnte nach der Errichtung des Turmes wurde Wasser in einen offenen Auslaufbrunnen im Hof eingeleitet.

    Den ruhigen PatientInnen war es auch erlaubt, unter Aufsicht täglich eine Stunde spazieren zu gehen. Bereits 1796 wurde dafür um den Turm herum ein ummauerter Garten "nur für die Irren" angelegt, hinter dessen Mauern sie vor neugierigen Blicken abgeschirmt, aber auch dahinter eingesperrt waren. Für "tobende Irre" waren die einzelnen Zellen anfangs mit Bodenringen und Eisenketten zur Fixierung und Ruhigstellung ausgestattet.

    Bildlegende: Psychisch Kranke, teilweise angekettet auf Stroh, mit Exkrementen um sich werfend, zur Belustigung des Publikums zur Schau gestellt.
    Abbildung aus "A Tale of a Tub ...” by William Wotton, 1710, British Library, HMNTS 1077.g.2,
    Foto © gemeinfrei