Der österreichische Escorial
Der Habsburger Kaiser Karl VI. ist der Auftraggeber der barocken Klosterresidenz, deren Bau 1730 in Angriff genommen wird. Er, der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, will auch König von Spanien werden, unterliegt jedoch im Spanischen Erbfolgekrieg dem französischen König Philipp V. Eine Niederlage, die Karl Zeit seines Lebens nicht verwindet.
In Klosterneuburg besitzt die Architektur mit der Zweipoligkeit von Kirche und Staat einen festlichen Charakter: im Westen die Doppeltürme der Kirche, im Osten der hervorspringende Gebäudeteil mit Marmorsaal und Sala terrena, über dem die große Kuppel mit der römisch- deutschen Kaiserkrone thront.
Nach den 1730 entstandenen Plänen des italienischen Architekten Donato Felice d`Allio hätte die Klosterresidenz insgesamt neun Kuppeln über vier regelmäßigen Innenhöfen erhalten sollen. Zunächst schreitet der Bau zügig voran, man beginnt mit der Errichtung des Kaisertraktes in der nordöstlichen Ecke, der bereits 1733 gedeckt wird.
Mit Karls Tod 1740 werden die Bauarbeiten gestoppt, da seine Tochter Maria Theresia kein Interesse an einer Fortführung zeigt. Vermutlich, weil der Bau mit all seiner Symbolik ganz auf die Person Karls VI. zugeschnitten ist. Erst hundert Jahre später vollendet der Architekt Joseph Kornhäusel einen der vier geplanten Höfe und somit ein Viertel des Gesamtprojektes.