Augustinus und das inhaltliche Programm der Verduner Tafeln
Die Idee des Verduner Tafelwerkes folgt nicht genau einem bestimmten Vorbild, hat aber wohl verschiedene Vorläufer. Die gesamte Komposition trägt augustinischen Charakter. Jede einzelne der typologischen Szenen wird schon in den Schriften des heiligen Augustinus erwähnt. Der Plan des Tafelwerkes zeigt eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Aufbau von Augustinus‘ großem geschichtstheologischem Werk über den Gottesstaat.
Das Stift Klosterneuburg besitzt schon im 12. Jahrhundert eine größere Anzahl von Augustinus-Handschriften. Der bedeutendste augustinische Theologe des 12. Jahrhunderts war Hugo von Saint Viktor, Augustiner-Chorherr des Stiftes Saint Viktor in Paris. Dessen großer Traktat „De Sacramentis“ erweist sich als wichtigste Quelle für das theologische Programm des Verduner Altars.