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    Stephansdom

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    Der Nordturm

    der Unvollendete

    Als man sich um 1450 der ursprünglichen Idee Rudolfs IV. besinnt und mit dem Bau eines mächtigen Nordturmes beginnt, ist es zu spät: der dominante Südturm des Stephansdomes macht einen zweiten, ebenso hohen Turm unmöglich. Trotzdem werden die Fundamente massiv angelegt, schließlich wird Wien 1469 selbständiges Bistum und St. Stephan zur Bischofskirche erhoben. Aber die große Idee mittelalterlichen Bauens ist bereits zu Ende, denn gewaltige politische Umwälzungen im Zuge der Reformation lassen Geld und Personal knapp werden. 1511 werden die Arbeiten am Nordturm eingestellt. Erst 67 Jahre später, 1578, setzen die Brüder Saphoy dem unvollendeten Nordturm ein Renaissancedach auf und bringen so das Projekt zu einem Ende. Heute beherbergt der Nordturm die neue Pummerin, die Hauptglocke, die nur zu besonderen Anlässen geläutet wird.

    Die Überlieferung besagt, dass im Jahr 1450, als Kaiser Friedrich III am 13. August den Grundstein zum Nordturm legt, die Trauben der Weinstöcke in und um Wien besonders früh reif sind. Infolge dessen gerät der Wein dieses Jahrgangs derart sauer, dass ihn Friedrich mangels Trinkbarkeit dem Mörtel des Nordturms beimischen lässt. Angeblich ist der Nordturm deshalb besonders stabil. Vielleicht aber auch, weil man den Fundamenten nach Fertigstellung ausreichend Zeit gibt, sich zu stabilisieren: nämlich ganze 17 Jahre. Erst 1467 wird der erste Stein aufgesetzt.