Trauerfiguren und Tiere
Auf einem kleinen Vorsprung, in zweiter Ebene unterhalb des Grabdeckels, finden sich Trauerfiguren, sogenannte Pleurants: ein Bischof beim Totenoffizium, Kerzen haltende Diakone, kniende Mönche, Ritter, Chorherren und andere Gestalten mit verhülltem Antlitz, die den Tod des Kaisers beklagen. Vermutlich ist es der niederländische Bildhauer Claus Sluter, der in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als erster Pleurants verwendet und damit einen wahren Boom auslöst: der Typus der Trauerfigur findet in der Grabmalarchitektur reiche Nachfolge und wird quer durch alle Stilepochen in unterschiedlichster Form eingesetzt.
Eine Ebene unter den trauernden Menschen kauern die Tiere. Sie symbolisieren den ewigen Kampf Gut gegen Böse, zwischen Leben und Tod. So lagern etwa ängstliche Hasen, als Sinnbild des flüchtigen Menschenlebens, vor einem Totenkopf. Darin befindet sich eine Schlange, die sprichwörtliche Sünde. An der Schwelle zur Neuzeit nimmt hier, so wie in der gesamten Architektur des Stephansdomes, das mittelalterliche Weltbild den Menschen noch einmal kräftig ins Gebet: Fürsprache und fromme Gesinnung sollen jene Kräfte des Bösen bezwingen, die sich eine weitere Ebene darunter befinden: dämonische Tiere und Fabelwesen kämpfen miteinander und sollen den Menschen so die Vergänglichkeit ihres Daseins vor Augen führen.