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    Kunsthistorisches Museum Wien

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    Tizians Danae

    Unbefleckte Empfängnis oder eine Königstochter als Dirne?

    „Da ich für euch bereits eine Liegende, von vorn zu sehende Danae gemalt habe, dachte ich, bei dieser anderen Poesia dies zu variieren und euch eine von hinten zu sehende zu senden, sodass das Gemach, in dem sie aufgehängt werden sollen, noch schöner sein wird.“

    So schreibt Tizian 1554 an den Habsburger Philipp II. von Spanien. Das Gemälde ist als Gabe zu Phillips bevorstehender Hochzeit mit Königin Maria I. von England gedacht. Und Tizian hat nicht zu viel versprochen: die nackte Danae lässt sich auf die weichen Kissen ihres Bettes zurückfallen, während sie erwartungsvoll zum Himmel aufblickt: dort, am oberen Bildrand, ist das Gesicht Jupiters in einer Wolke erkennbar.

    Der Besucher scheint nicht unwillkommen, zumal Danae ein Leben als Gefangene fristet: ihr Vater Akrisios hat sie zwecks Bewahrung der töchterlichen Jungfernschaft in einen Turm gesperrt. Wenigstens in der Mythologie: auf Tizians Bild hingegen räkelt sich die junge Dame auf seidenen Kissen, umrahmt von einem roten Baldachin mit goldbestickter Bordüre.

    Und von den Mauern eines Turmes ist weit und breit nichts zu sehen: vielmehr scheint Danaes luxuriöses Lager in einer nicht näher definierten Landschaft zu schweben. Göttervater Jupiter, der sich bei seinen amourösen Abenteuern stets erfinderisch zeigt, ist nicht aufzuhalten: er verwandelt sich in Goldregen und geht so auf die schöne Königstochter nieder.