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    Kunsthistorisches Museum Wien

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    Der bethlehemitische Kindermord

    Übermalung aus politischen Motiven?

    Lange Zeit glaubt man, dass dieses Werk des Kunsthistorischen Museums Wien, der „Bethlehemische Kindermord“ von Pieter Bruegel dem Älteren, ein Original sei. Zumal Bruegels Biograf, Carel van Mander das Bild 1604 mit dem Hinweis erwähnt, der derzeitige Besitzer sei der Habsburger Kaiser Rudolf II. Doch das Original hängt, wie man heute weiß, in London.

    Und hat auf den ersten Blick noch weniger mit Kindermord in Bethlehem zu tun als die Wiener Version. Man sieht auf beiden Werken ein flämisches Dorf, das offenbar einer spanischen Strafexpedition unterzogen wird. Fußsoldaten sind als einheimische Flamen zu erkennen, dazu in rote Jacken gekleidete wallonische Söldner und in der Bildmitte die spanischen Truppen. Schwarz gepanzert und mit langen, senkrecht gehaltenen Lanzen bewaffnet. Dorfbewohner versuchen verzweifelt dem Treiben Einhalt zu gebieten. Die Forschung geht mittlerweile davon aus, dass das originale Gemälde mehrfach übermalt wurde.

    Vermutlich aus politischen Gründen. Das Bild befindet sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts, bevor es eine lange Reise antritt und schließlich in England landet, am Hof Kaiser Rudolfs II. in Prag. Diesem erscheint die Darstellung eines Massakers an unschuldigen Kindern zu drastisch, zumal er sich selbst mitten in den Wirren der Reformationskriege befindet. Während also die marodierenden Soldaten auf der Wiener Kopie tatsächlich Kinder töten, vergehen sie sich auf dem Londoner Original vergleichsweise harmlos an Tieren und Gegenständen.

    Die qualitativ hochwertige Wiener Kopie, vermutlich aus der Werkstatt Pieter Bruegels des Jüngeren, lässt erahnen, wie das Londoner Original einst ausgesehen haben mag. Einige der auffälligsten Unterschiede sind in der Gegenüberstellung deutlich zu erkennen.