Familie Epstein

Die Familie Epstein

Textilfabrikanten und Bankiers

Leopold Epstein gründet zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Textilfabrik in der Nähe von Prag und macht sie in der Folge zur zweitgrößten in ganz Böhmen. Damit verbunden ist der gesellschaftliche und finanzielle Aufstieg der Familie.

Man übersiedelt bald darauf nach Wien, wo Leopold ins Bankgeschäft einsteigt. Hier wird auch Sohn Gustav geboren, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Leitung der Familiengeschäfte übernimmt und die Bank zu einer der bedeutendsten der österreichisch-ungarischen Monarchie macht.

Gustav Epstein verdient mit Bankengeschäften so viel Geld, dass er zur Errichtung des Palais Epstein in den Jahren 1868 bis 1871 nicht nur das teuerste Grundstück an der gerade entstehenden Wiener Ringstraße erwerben kann, sondern auch einen ihrer berühmtesten Architekten mit der Ausführung betraut: Theophil Hansen, den Erbauer des österreichischen Parlaments.

Und Hansen legt sich ins Zeug: die Beletage, die Wohnebene der Familie Epstein, wird exquisit ausgestattet. Die Reliefs der Türeinfassungen sind jenen der venezianischen Kirche Santa Maria dei Miracoli nachempfunden, die minutiös gearbeiteten Kassettendecken haben ihr Vorbild in der römischen Basilika San Paolo Fuori le Mura. Der bekannte Maler Christian Griepenkerl gestaltet prachtvolle Gemälde. Zusätzlich verfügt das Haus über einen Aufzug vom Keller bis zum Dachgeschoss sowie über eine Warmluftheizung nach antikem Vorbild. Vom Innenhof, der im Bild oben zu sehen ist, führt eine Rampe in den Keller mit den Stallungen für über 15 Pferde.

Aber Gustav Epstein kann sich seines neuen Domizils nicht lange erfreuen: im Börsenkrach von 1873 verliert er sein gesamtes Vermögen und muss das Palais verkaufen. Wenig später stirbt er verarmt in Wien.

Seine Witwe, Emilie Epstein übersiedelt mit den beiden Töchtern nach Budapest, wo sich noch heute Nachfahren der Familie Epstein finden.

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