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    Kaiserliche Sommerfrische

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    Schloss Weilburg

    General außer Dienst bei der Rosenzucht

    Erzherzog Karl, ein jüngerer Bruder von Kaiser Franz I., erweist sich, obwohl von schwächlicher körperlicher Konstitution, bereits früh als herausragendes militärisches Talent. Ein Talent, das sich nie vollends entfalten kann, da der kaiserliche Bruder stets peinlich genau darauf achtet, dass sich Karl seinen Befehlen strikt unterordnet.

    Erzherzog Karl fügt zwar Napoleon 1809 bei Aspern die erste Niederlage zu, verliert aber wenige Wochen später in der Schlacht bei Wagram. In den darauf folgenden Friedensverhandlungen agiert Karl nach Meinung von Kaiser Franz zu eigenständig und wird vom älteren Bruder daraufhin als Oberbefehlshaber abgesetzt.

    Karl zieht sich ins Privatleben zurück. Durch das reiche Erbe seiner Adoptiveltern Herzog Albert und Marie-Christine von Sachsen-Teschen finanziell unabhängig, lässt er zu Ehren seiner 1815 angetrauten Gemahlin Henriette von Nassau-Weilburg in der Nähe von Baden am Eingang zum Helenental eine herrschaftliche Schlossanlage errichten.

    Es ist übrigens eine echte Liebesheirat zwischen Henriette und dem 26 Jahre älteren Karl, was der Briefwechsel der beiden deutlich macht. Eine Heirat, aus der sieben Kinder hervorgehen. Henriette ist eine sehr starke Persönlichkeit, die sich weigert vom protestantischen Glauben zum Katholizismus überzutreten und so mit allerhöchster Genehmigung des Kaisers zur ersten nichtkatholischen Frau eines Habsburgers wird.

    Henriette ist es auch, die am kaiserlichen Hof den protestantischen Brauch des Aufstellens eines Christbaums etabliert. Ein Brauch, der in ganz Österreich rasche Verbreitung findet. Als Henriette mit nur 32 Jahren an Scharlach stirbt ist sie auch die einzige Protestantin, die trotz stärksten Widerstands in der Kapuzinergruft begraben wird. Kaiser Franz sagt dazu: „Sie hat in Liebe mit uns gelebt, sie soll auch in Liebe unter uns ruhen“.

    Die nach ihr benannte Weilburg war eine der bedeutendsten klassizistischen Schöpfungen Österreichs. Der berühmte Architekt Josef Kornhäusl erhält den Auftrag, 1823 ist der Bau mit einer Frontlänge von 187 Metern bezugsfertig. Zusätzlich zählt das Schloss mit seiner aufwändigen Wasserversorgung und den Wasserklosetts zu den modernsten Gebäuden seiner Zeit.

    Hier widmet sich Karl im Kreise seiner Familie seinen zahlreichen Interessen. Er wird zu einem der bedeutendsten Militärschriftsteller des 19. Jahrhunderts und beginnt Rosen zu züchten. Der berühmte Badener Kurarzt und begeisterte Naturforscher Anton Rollett zählt im Jahr 1834 im Garten der Weilburg 1620 verschiedene Rosensorten.

    Am Ende des zweiten Weltkriegs fallen große Teile von Schloss Weilburg einem Brand zum Opfer. Die verbliebene Ruine wird 1964 abgerissen und auf dem Areal eine Wohnsiedlung errichtet. Heute existiert nur noch das Habsburg-nassauische Familienwappen: Es thront auf einem Steinsockel am westlichen Stadtrand von Baden, wo der Fußweg zur Ruine Rauheneck abzweigt.

    Dennoch ist der Bezug zur Badener Gegenwart evident, wird doch die Tradition des Rosenzüchtens seit 1969 im Badener Rosarium gepflegt. Und eine weitere Parallele gibt es: das Rosarium befindet sich im Doblhoff-Park. Benannt nach der Familie Doblhoff, einst die Besitzer von Schloss Weikersdorf. Es sind die Doblhoffs, denen Erzherzog Karl 1821 jenes Grundstück abkauft, auf dem er wenig später Schloss Weilburg errichten lässt.

    Bild: Ansicht Schloss Weilburg um 1825 © Fotos Wolf, Städtische Sammlungen Baden