Velázquez im KHM: warum sind die Bilder in Wien?

margarita teresa klein Es ist eine Ironie der Geschichte und gleichzeitig einer der absurdesten Einfälle habsburgischer Heiratspolitik. Die Ehe zwischen Kaiser Leopold I. und Margarita Theresa von Spanien. Aber der Reihe nach: die neue Velázquez-Ausstellung im KHM zeigt zum ersten Mal in Europa eine umfangreiche Schau der Bilder des berühmten spanischen Barock-Porträtmalers. Möglich geworden durch Kooperationen mit dem Museo Nacional del Prado in Madrid, der National Gallery in London und dem Boston Museum of Fine Arts. Mit dabei sind auch Porträts von Margarita Theresa von Spanien.
Und das kam so: Leopold I. ist von der Idee besessen, die 30 Jahre jüngere Margarita Theresa von Spanien zu heiraten. Aufgrund der verworrenen verwandtschaftlichen Verhältnisse ist er gleichzeitig ihr Cousin und Onkel. Leopold spekuliert nämlich auf die Erlangung der spanische Krone, da abzusehen ist, dass Margaritas Bruder, der Infant Karl, nicht lange überleben würde. Karl ist aufgrund der jahrhunderlangen habsburgischen Inzucht geistig und körperlich schwer behindert. Und mangels Potenz auch nicht imstande einen Thronfolger zu zeugen.

Leopold lässt sich in den Jahren vor der Heirat regelmäßig Bilder seiner zukünftigen Frau nach Wien senden – ausführender Künstler ist Velázquez. Ganze drei Jahre ist das Mädchen auf Velázquez’ erstem Bild alt: “Infantin Margarita Teresa in rosafarbenem Kleid”. Weitere Porträts folgen 1656 als 5-Jährige in Weiß und 1659 als 8-jährige “Infantin Margarita Teresa in blauem Kleid”. Ein Ausschnitt aus letzterem Bild ist oben zu sehen.

Aber Leopold, der sich verzehrende Onkel/Bräutigam ist mit den Bildern, deren herausragende Qualität er nicht erkennt, unzufrieden. Er könne sich keine rechte Vorstellung von seiner zukünftigen Gemahlin machen, lässt der Kaiser grummelnd verlauten. Und entsendet flugs seinen eigenen Maler nach Spanien. Was dieser zuwege bringt, ist allerdings künstlerisch meilenweit von Velázquez’ Meisterwerken entfernt und landet bald auf dem Müllhaufen der Kunst-Geschichte.

Pompös dann die Hochzeit, bei der Margerita gerade einmal 15 Jahre jung ist, aber immerhin 100.000 Gulden Mitgift im Gepäck hat. Ungeachtet der Tatsache, dass spanische wie österreichische Habsburger mehr oder weniger bankrott sind.

Skurill-befremdlich mutet die Überlieferung an, dass Margarita Theresa ihren Mann auch während der gemeinsamen Ehe „Onkel“ genannt, während er angeblich „Gretl“ zu ihr gesagt haben soll. Allzu lange dauert es ohnehin nicht: Gretl, Zeit ihres Lebens von äußerst schwacher Konstitution und an einer krankhaften Veränderung der Schilddrüse leidend, stirbt bei der Geburt ihres sechsten Kindes im Alter von nur 21 Jahren.

Leopold aber fällt damit Margaritas Anspruch auf das spanische Erbe zu. Grund genug für ihn, nach dem Tod von Karl II, Margaritas jüngerem Bruder, in den spanischen Erbfolgekrieg zu ziehen.

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