Heimarbeit - das Schnitzen und Drechseln
Unerlässlich für den Lebensunterhalt
Auf einer Anhöhe etwas oberhalb der Altmünsterer Ortschaft Neukirchen steht die Rabenwies, ein im typischen Baustil der Viechtau errichtetes Haus. Hier wird das Leben der Bevölkerung vor etwa hundert Jahren veranschaulicht. Einen Schwerpunkt bildet die Heimarbeit – das Schnitzen und Drechseln – die damals für den Lebensunterhalt unerlässlich war.
Bekanntheit erlangte die Viechtau wegen ihrer Holzwaren, vor allem Spielzeug. Viechtauer Holzwaren fanden ihren Weg in die ganze Monarchie und darüber hinaus. Bis nach Russland, Rumänien und in die Türkei exportierten die Viechtauer Schnitzer, Drechsler und Kluppenmacher in der Blütezeit ihren hölzernen Hausrat und das begehrte Spielzeug. Seit dem 14. Jahrhundert hatten die Schnitzer als hausierende Kraxenträger ihre Löffel und Docken (bemalte Holzpuppen) selbst vermarktet, später erschlossen Verleger internationale Märkte.
1881 gab es in der Viechtau - so wird der Ort von der Bevölkerung genannt - sogar eine Schnitzereischule mit drei Unterrichtsfächern: Drechslerei, Bildhauerei und Tischlerei. Die Schule wurde trotz anfänglicher Erfolge 1894 wieder geschlossen wurde. 1911 organisierte sich die Viechtauer Hausindustrie in der "Genossenschaft der Erzeuger bäuerlicher Handwerkskunst". Doch erwuchs durch die einsetzende Automatisierung des Drechslereigewerbes der Handwerkskunst eine so mächtige Konkurrenz, dass die Produktionsgemeinschaft 1979 aufgelöst wurde. Bereits seit 1975 besteht das Heimathaus mit seiner bedeutenden Sammlung von Viechtauer Waren.