Das Erschrecken Herodes

Das Erschrecken Herodes

Lateinisch: Turbatio Herodise 

Der throhnende Herodes, mit drohendem Ernst grandios dargestellt, ist mit der Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reichs, Zepter und Reichsapfel ausgestattet. Zu denken gibt allerdings, dass das Kreuz auf dem Reichsapfel fehlt. Ist es ein Hinweis, dass es sich um den Heiden Herodes handelt oder um den gottlosen Kaiser Heinrich IV, der Adalbero aus Regensburg vertrieb.

Ein finster blickender Regent mit Reichsinsignien ist dem Zorn des Himmels ausgeliefert. Die Sonne verfinstert sich und ein Engel mit drohenden Gebärden nähert sich dem Herrscher. Drei Strahlenstreifen trennen Herrscher und Volk. Ist damit die Exkommunikation gemeint? Denn bis 1085 wurde Heinrich IV. dreimal mit dem Bannstrahl belegt.

Auf derselben Wand wird gleichzeitig sein Sturz dargestellt, die Krone liegt auf dem Boden neben ihm. Herodes – oder doch Heinrich IV. – hebt resignierend die Hand. Die Doppeldeutigkeit der dargestellten Szene  ist ein weiterer Hinweis für die die Vermischung von aktuellen weltlichen und religiösen Themen. Es könnte auch das Erschrecken des Herodes und der Männer von Jerusalem bei der Ankündigung des neugeborenen Königs der Juden sein.

Bischof Adalbero verstand es mit besonderem Geschick, die ab 1073 schwelenden Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. zugunsten der Ideen des Papstes durchzusetzen. Er wurde deswegen mehrmals vom Kaiser aus seinem Bistum vertrieben.

Worum ging es bei diesen Auseinandersetzungen? Als Investiturstreit bezeichnet man eine Periode im 11. und 12. Jahrhundert, in der zwischen den Saliern, im konkreten fall Heinrich IV. und dem Reformpapsttum, Papst Gregor VII., ein Streit über das Verhältnis von geistlicher Macht und dem Imperium, der weltlichen Macht, ausgetragen wurde. Der grundsätzlichen Frage nach der Investitur, also der Einsetzung der Äbte und Bischöfe, ob durch den Kaiser oder den Papst, kam im Laufe der Auseinandersetzung eine entscheidende Rolle zu. Allerdings erst nach dem im Jahr 1077 erfolgten Bußgang Heinrich IV. nach Canossa.

Wegen Papst Gregors Bedeutung für die Kirchenreformen des 11. Jahrhunderts, die nach ihm auch als gregorianische Reform bezeichnet wird, gilt er als einer der bedeutendsten, allerdings auch – schon zu Lebzeiten – als einer der umstrittensten Päpste der Kirchengeschichte. Petrus Damiani, ein enger Mitstreiter, bezeichnete ihn anerkennend und zugleich tadelnd als „heiligen Satan“, „Zuchtrute Gottes“ und „Höllenbrand“, verglich ihn mit einem Tiger, Löwen oder reißenden Wolf und hielt Widerstand gegen Gregor für zwecklos.

Es ist anzunehmen, dass Adalbero auf seinen Italien-Reisen zu Papst Gregor im lombardischen und venezianischen Raum die damalige italo-byzantinische Fresko-Malerei kennen lernte, die mit dem Lambacher Freskenzyklus eine große Ähnlichkeit hat. Papst Gregor VII., Adalberos politisches Vorbild, war 1085 - von Rom verbannt - in Salerno gestorben. Adalbero selbst war gezwungen worden, seinen Lebensabend im Lambacher Exil zu verbringen, wo er hochbetagt 1090 verstarb. Sein politisches Wollen schien um 1088 ohne Erfolg geblieben zu sein. Den Sieg der päpstlichen Macht über das römisch-deutsche Kaisertum erlebte er nicht mehr. 

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.