Baugeschichte der Pferdeeisenbahn
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Die Baugeschichte der Pferdeisenbahn Budweis-Linz-Gmunden

Die erste auf dem europäischen Kontinent 

Der Verkauf des Salzes spült im Mittelalter erhebliche Beträge in die Kasse der Habsburger. Das weiße Gold aus den Salinen des Salzkammergutes wird bis nach Böhmen exportiert.

1832 eröffnet Kaiser Franz I. die Pferdeeisenbahn, wobei der Salzhandel die wichtigste Einnahmequelle für die Privatschatulle der Habsburger war.

Um in das Königreich Böhmen zu gelangen, das seit dem Prager Blutgericht zu den habsburgischen Erblanden gehört, legt das Salz einen langen Weg zurück: Dem Transport auf dem Wasserweg bis Linz folgt der nicht weniger mühsame Transport auf dem Landweg per Pferdefuhrwerk. Ende des 18. Jahrhunderts stehen täglich knapp 350 Fuhrwerke im Einsatz, man transportiert jährlich über 17.000 Tonnen Salz.

Um dieses enorme Frachtaufkommen rascher bewältigen zu können, wird zwischen 1827 und 1836 die Pferdeeisenbahn Gmunden–Linz–Budweis abschnittsweise eröffnet. Sie ist die zweite öffentliche Eisenbahnlinie auf dem europäischen Kontinent und verdrängt nach und nach den Transport des Salzes auf der Traun. Die Gesamtlänge von Gmunden bis Budweis beträgt stolze 197 km. Ab 1855 wird die Bahn nach und nach auf Dampfbetrieb umgestellt, die letzten Pferdefuhrwerke verlassen Gmunden im Dezember 1872.

Vor der Errichtung der Pferdeisenbahn, die in Böhmen ihren Anfang nahm, verursachte der Salztransport auf dem Landweg zwischen Linz und Budweis sowie zwischen Gmunden und Linz auf der Traun erhebliche Kosten.

Die Lösung des Problems kam aus England, wo Ing. Franz-Josef Gerstner von neuen Schienentransportwegen für den Kohletransport hörte. Er studierte vor Ort die Schienennetze und schlug vor, diese auch für den Salztransport zwischen Budweis und Linz zu nutzen. Gerstner legte eine detaillierte Planung in Wien vor und erhielt den Auftrag zur Umsetzung.

Die Bauarbeiten begannen Ende Juli 1825 mit dem ersten Spatenstich in Neffebice. Doch es gab zahlreiche Herausforderungen, wie den Höhenunterschied von 540 Metern und den Widerstand lokaler Gemeinden, die am Salztransport beteiligt waren und um ihre Einkommensquelle fürchteten. Im Jahr 1828 führten finanzielle Probleme zum Rücktritt von Gerstner. Zu diesem Zeitpunkt war die Bahn bis Kerschbaum fertiggestellt, was bereits mehr als die Hälfte des Projekts ausmachte. Danach entschied man sich, die Strecke kostengünstiger fertigzustellen, ohne auf Dampfbetrieb ausgerichtet zu sein. Die Nordstrecke wurde am 1. August 1832 für den Verkehr freigegeben.

Kaiser Franz reiste mit seiner Gemahlin zur Eröffnung an, obwohl er ein Feind aller Neuerungen, sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht war. Franz I. war von seinem Gottesgnadentum zutiefst überzeugt und lehnte alles ab, was auch nur in die Richtung von Volksrechten wies. Franz und das System Metternich waren extrem konservativ geprägt, dem jede noch so kleine Reform oder Veränderung verdächtig erschien. Dies war auch in wirtschaftspolitischer Hinsicht der Fall, so dass Österreich auf Grund dieser Haltung einige Schwierigkeiten hatte, mit der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Schritt zu halten.

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