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    Guide Dürnstein

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    Das Bader Haus
    Von den „Ärzten der kleinen Leute“

    Direkt vor dem Eingang zum Südosttrakt des ehemaligen Klarissen Klosters steht nicht nur der einstige Pranger von Dürnstein, sondern auch das Bader Haus. 

    Das Bader Haus ist ein eingeschossiger Bau aus dem späten 18. Jahrhundert und besticht durch seine harmonische frühklassizistische Fassade, die durch Lisenen gegliedert ist.

    Der Begriff Lisene leitet sich vom französischen Wort „lisière“ ab, das so viel wie Saum, Rand oder Kante bedeutet. In der Baukunst bezeichnet eine Lisene eine Mauerblende, also eine schmale und leicht hervortretende, vertikale Verstärkung der Wand.

    Das Giebelfeld des Bader Hauses zeigt ein 1963 von Maximilian Melcher entworfenes Fresko einer Musikantenfamilie.

    Ursprünglich war das Bader Haus, wie der Name schon sagt, eine Badestube. Die Betreiber einer solchen Badestube wurden im Mittelalter Bader genannt und waren so etwas wie die „Ärzte der kleinen Leute“.

    Der Großteil der Bevölkerung konnte sich eine teure Behandlung bei einem der akademisch gebildeten und meist klerikalen Ärzte nicht leisten. Also übernahmen die Bader alles, was man im Mittelalter an Körperpflege und medizinischen Behandlungen anzubieten wusste.

    Dazu gehörte ein ausgiebiges Bad ebenso, wie Körperpflege und Kosmetik, Teilgebiete der Chirurgie sowie der Zahn- und Augenheilkunde.

    Zusätzlich beschäftigte der Bader in seinem Haus oft einen Scherer oder Barbier, der für das Haareschneiden und Bartscheren zuständig war. Die Bader übten einen hochgeachteten, wenngleich nicht wissenschaftlich anerkannten Heilberuf aus.

    Direkt vor dem Baderhaus, auf dem Platz des ehemaligen Stadtbrunnens, steht der einstige Pranger von Dürnstein.

    Ein Pranger oder Schandpfahl wurde im Mittelalter als Strafwerkzeug in Form einer Säule, eines Holzpfostens oder einer Plattform verwendet, an denen Verurteilte öffentlich vorgeführt wurden. Ein Pranger diente Städten auch als äußeres Zeichen der Gerichtsbarkeit.

    Ende der 1920er Jahre wurde die alte steinerne Prangersäule, die in mehrere Teile zerbrochen war, wieder zusammengefügt und auf dem Platz des ehemaligen Stadtbrunnens aufgestellt.

    Mit Unterstützung von Land Niederösterreich und Europäischer Union