Dirndl unter Akazienbäumen
Caro Errath: Zwischen Johannesburg und dem Salzkammergut
„Caro, ich werde dich eines Tages heiraten.“
Ich war knapp 16 und hielt diesen Satz eher für eine charmante Form von Größenwahn. Zwölf Jahre lang verloren wir uns danach aus den Augen, bis plötzlich wieder eine E-Mail auftauchte. Kurze Zeit später stand er in Österreich vor mir und im Jänner darauf saß ich im Flugzeug nach Johannesburg.
Mein Mann ist in Südafrika geboren und aufgewachsen. Geheiratet haben wir später beim Krüger Nationalpark. Unter Akazienbäumen, nahe einer Wasserstelle mit Nashörnern und Giraffen, irgendwo zwischen afrikanischer Wildnis und österreichischer Tradition. Einige Gäste trugen Dirndl, unser kleiner Ringträger (und Neffe) erschien in Lederhosen.Damals ahnte ich noch nicht, dass Südafrika und das Salzkammergut für mich irgendwann nicht mehr Gegensätze sein würden, sondern zwei Heimaten.
Vierzehn Jahre lang lebten wir in Johannesburg. Südafrika hat mich verändert. Nicht nur wegen der beeindruckenden Landschaften, der roten Erde oder der unendlichen Weite, sondern vor allem wegen der Menschen. Ich wurde mit einer Herzlichkeit aufgenommen, die mich bis heute berührt.
Ein afrikanisches Sprichwort lautet: „Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit.“ Und tatsächlich fühlt sich vieles anders an. Ruhiger. Spontaner. Weniger durchgeplant.
Das hatte manchmal auch seine Herausforderungen. Ein Behördenweg konnte schon einmal einen ganzen Tag dauern. Wenn in Johannesburg große Kreuzungen wegen Stromausfällen ohne funktionierende Ampeln dastanden, regelten plötzlich Straßenverkäufer den Verkehr. Improvisation gehört dort zum Alltag.
Gleichzeitig gibt es in Südafrika eine Freiheit in der Natur, die schwer zu beschreiben ist: Sonnenuntergänge im Busch, einsame Strände, Grillabende unter freiem Himmel und Gespräche am Braai bis spät in die Nacht. Vielleicht erinnert mich genau das so oft an zuhause. Denn auch im Salzkammergut lieben die Menschen das Zusammensitzen, das Grillen, die Gespräche und ihre Verbundenheit mit der Natur.
Heute leben wir wieder im Salzkammergut. Und auch hier habe ich eine neue Form von Freiheit entdeckt. Die Freiheit, dass unsere Kinder unbeschwert mit dem Fahrrad zur Schule fahren können. Die Verlässlichkeit. Die Ruhe. Die mystische Stimmung über dem See an einem Wintermorgen oder das Schwimmen im glasklaren Wasser an heißen Sommertagen.
Zwischen Johannesburg und dem Salzkammergut liegen tausende Kilometer. Und doch erinnern mich beide Orte an dasselbe: an Gastfreundschaft, Gemeinschaft und daran, dass Heimat manchmal mehr als nur ein Ort ist.