400 Jahre Bauernkrieg 1626
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400 Jahre Bauernkrieg 1626

Von Wüsten und Ketzern 

„Lieber herrsche ich über eine menschenleere Wüste als über ein Volk von Ketzern.“ - Ferdinand II. 

Mit diesem Satz bringt Ferdinand II. die Haltung der Habsburger auf den Punkt.

Schon 1597 ordnet Kaiser Rudolf II. an: Im Salzkammergut gilt nur noch der katholische Glaube.

Lutherische Prediger und Lehrer werden ersetzt. Aber es bleibt nicht bei der Religion. Auch das Salz, die wichtigste Einnahmequelle der Region, gerät ins Visier.

In Gmunden verliert der protestantische Salzamtmann, Hans Christof Haydn sein Amt, der katholische Nachfolger, Spindler von Hofegg übernimmt und zieht von Ort zu Ort, um die Rekatholisierung durchzusetzen. In Hallstatt wehren sich Bergleute und Salzarbeiter, fordern Religionsfreiheit. 1602 wird ihr Aufstand blutig niedergeschlagen, ihre Privilegien gehen verloren.

Von da an wird das Salz selbst zur Waffe. Wer nicht „loyal katholisch“ ist, verliert Arbeit und Einkommen. Der Landesfürst kontrolliert Produktion und Handel, bestimmt Löhne, Preise und Anstellungen. Ohne Alternativen bedeutet das: Anpassung oder Absturz. Auch Händler geraten unter Druck. Transport, Lagerung und Verkauf sind monopolisiert. Konzessionen können entzogen werden und mit ihnen die Existenz. Wer vom Salz lebt, muss sich beugen. In Orten wie Gmunden, Hallstatt oder Goisern wandelt sich die Gesellschaft rasch: Evangelische Familien wandern aus, katholische rücken nach. Fachwissen, Besitz und Einfluss wechseln die Seiten.

So wird aus einem Rohstoff ein Machtinstrument. Das Salz des Salzkammerguts sichert nicht nur Reichtum sondern es erzwingt auch Glauben.

Vom Funken zum Vollbrand

Der Funke entzündet sich in Böhmen. Als sich die protestantischen Stände weigern, den kaiserlichen Befehlen zu folgen, greift Ferdinand II. militärisch durch. Mit einer vernichtenden Niederlage endet 1620 der Widerstand in der Schlacht am Weißen Berg. Kurz darauf folgt das Prager Blutgericht: Über 40 Adelige werden hingerichtet. Ein Exempel – und der Auftakt zum Dreißigjähriger Krieg.

Doch die Erschütterungen reichen bis nach Oberösterreich. Dort stellen sich die protestantischen Landstände gegen den Kaiser und verbünden sich mit den Böhmen. Ferdinand sichert sich die Macht durch ein Bündnis mit Maximilian I., dem Führer der Katholischen Liga. Sein Feldherr Johann T’Serclaes von Tilly marschiert 1620 ein, erobert Linz und der Aufstand der Stände bricht zusammen.

Der Preis ist hoch

Um seine Kriegsschulden zu begleichen, verpfändet der Kaiser Oberösterreich an Bayern. 300.000 Gulden sind die jährliche Zinslast, für die der Salzsektor, Produktion und Handel aufkommen soll. Nach der damaligen Kaufkraft wären das heute ca. 60 Mio. Euro pro Jahr. 1621 tritt Adam von Herberstorff als Statthalter auf. Mit ihm beginnt die systematische Ausbeutung. Steuern steigen drastisch, Abgaben vervielfachen sich, Frondienste werden ausgeweitet. Selbst Maße und Abrechnungen werden zum Nachteil der Bauern verändert.

Inflation zur Kriegsfinanzierung

Gleichzeitig entwertet die sogenannte Kipper- und Wipperzeit das Geld: Münzen enthalten immer weniger Silber. Zur Finanzierung des Krieges werden immer mehr Münzen in den Umlauf gebracht. Die Folge: Inflation, die Preise explodieren, die Bevölkerung hungert und verarmt. Was als Religionskonflikt begann, wird zur sozialen und wirtschaftlichen Katastrophe.

Krieg, Schulden und Ausbeutung greifen ineinander und treiben die Menschen schließlich in den offenen Widerstand: den oberösterreichischen Bauernaufstand von 1626.

Schon drei Jahre vorher werden alle protestantischen Prediger und Schulmeister aus Oberösterreich vertrieben. Ihre Stellen übernehmen italienische Priester, die aber kein Deutsch sprechen. Unruhe breitet sich aus. Als ein katholischer Dechant und ein neu eingesetzter Pfarrer in Frankenburg auftreten, werden sie von Bauern mit Steinen verjagt.

Gnade heißt würfeln um den Tod

Adam von Herberstorff lässt rund 5.000 Männer zusammentreiben. Er verspricht „Gnade“ – doch es ist eine Falle. 36 angebliche Rädelsführer werden ohne Verfahren verurteilt. Das sogenannte Gottesurteil folgt: paarweise müssen sie um ihr Leben würfeln. Wer verliert, wird gehängt – vier an der Haushamer Linde, die anderen dreizehn an Kirchtürmen der Region. Dieses Ereignis geht als Frankenburger Würfelspiel in die Geschichte ein.

Gegen Bayern und für den Kaiser

Das Massaker wird zum Auslöser. Unter Stefan Fadinger und Christoph Zeller erhebt sich der Bauernaufstand.

„Es muss sein“ mit diesem Fahnenspruch haben sie ein einziges Ziel: Befreiung von bayerischer Herrschaft und drückenden Abgaben und Wiederherstellung der kaiserlichen Herrschaft. Der Aufstand gewinnt rasch an Kraft. Kremsmünster, Ebelsberg, Steyr und Freistadt fallen in Bauernhand. Doch beim Angriff auf Linz wird Fadinger tödlich verwundet und stirbt kurz darauf.

Das bittere Ende

„Herr, sieh herab, nie sah ich Männer von solch geringem Stand mit so hohem Mut fallen.“
So brachte angeblich ein Landsknecht seine Bewunderung für den Kampf der Bauern zum Ausdruck. Ende November 1626 schlagen in den Schlachten bei Alkoven und bei Pinsdorf die Truppen der Katholischen Liga unter Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim den Aufstand endgültig nieder: Tausende Bauern niedergemacht, die meisten davon in Massengräbern verscharrt.

Der Winter bringt das Ende und den Bauern geht es schlechter als zuvor. Sie müssen 12.000 bayerische Soldaten, die Oberösterreich nun besetzen, ernähren und auch für die Zerstörung des Schlägeler Klosters und des Meierhofs von Schloss Ort aufkommen, den Herberstorff gleich als Landschloss Ort errichten lässt.

Zahlreiche Anführer werden noch enthauptet oder gehängt, wie der Stadtschreiber von Steyregg, der Richter von Lasberg oder Elias Vätterer von Tragwein, die ebenfalls dem Bauernheer angehört hatten.

Zurück bleibt ein erschöpftes Land und ein Aufstand, der brutal beendet wurde, ohne seine Ursachen zu lösen. Und das sollte über 350 Jahre so bleiben.

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