Borjomis wechselhafte Geschichte
Vor vielen Jahrhunderten war Borjomi Teil der historischen georgischen Provinz Tori, eines Gebiets, das heute zur Provinz Samtskhe-Javakheti gehört, zusammen mit den Teilregionen Javakheti and Meskheti.
Tori besaß große strategische Bedeutung, da sich das Gebiet am Schnittpunkt wichtiger Handelswege befand. Die Überreste dreier Kastelle, „Gogia”, “Petra” und “Sali”, die auf Hügeln unweit von Borjomi stehen, zeugen noch heute davon.
Als die heutige Provinz Samtskhe-Javakheti im Laufe des 16. Jahrhundert unter die Herrschaft des Osmanischen Reichs fiel, wurden viele Kirchen, Klöster und Burgen zerstört und von ihren Bewohnern verlassen. Erst mit der Defacto-Annexion der Region durch das russische Kaiserreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann der kleine Ort Borjomi langsam zu wachsen. Entscheidend dabei war die Entdeckung der natürlichen Mineralwasserquellen durch russische Soldaten.
1825 befahl der Kommandant des russischen Regiments vor Ort, Oberst Popov, die Quellen mit Steinen einzufassen, aber erst in den 1840er Jahren erlangte das Mineralwasser aus Borjomi erste Berühmtheit.
Der russische Vizekönig und Gouverneur der Kaukasusregion und damit direkter Stellvertreter des Zaren, General Evgeny Golovin, hatte eine Tochter namens Ekaterina, die an einer chronischen Magen-Darm-Erkrankung litt. Es wird überliefert, dass Ekaterina, als die das Mineralwasser aus Borjomi trank, unmittelbare Linderung ihrer Beschwerden erfahren haben soll.
Daraufhin ließ ihr Vater Teile des Waldes um Borjomi roden, um weitere Quellen zugänglich zu machen, er ließ Bäder bauen und befahl, dass der Besitz der Quellen von den militärischen an zivile Behören übergehen sollte. Damit legte Golovin den Grundstein für die spätere Mineralwasserproduktion und den wirtschaftlichen Aufstieg der Region. Und der General setzte sich und seiner Tochter ein weiteres Denkmal, indem er eine der Hauptquellen „Ekaterina“ und eine weitere „Evgeny“ nannte.
Bald entstanden rund um die Quellen und Bäder nicht nur Hotels und Ferienhäuser, sondern auch eine erste Mineralwasserabfüllanlage, die das Abfüllen und den Export des mittlerweile bekannten Mineralwassers erlaubte.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Borjomi bereits ein wohlhabender Kurort und als sich Großherzog Nikolai Mikhailovich aus der Zarenfamilie der Romanovs im Stadtteil Likani einen Sommerpalast bauen ließ, wurde Borjomi während der Sommermonate endgültig zum Nabel von Russlands mondäner Adelswelt.
Nach Ende des russischen Kaiserreichs 1917 und einer kurzen Phase der Unabhängigkeit, erlebte Georgien 1921 eine weitere Invasion, diesmal jene der neu entstandenen Sowjetunion. Für Borjomi bedeutete dies allerdings keineswegs ein Ende der wirtschaftlichen Prosperität. Die ehemals aristokratischen Besitzungen in Borjomi wurden beschlagnahmt und in Erholungszentren für die Elite der kommunistischen Partei umgewandelt.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion brach für Georgien und auch für Borjomi ein Jahrzehnt mit großen wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten an. Erst seit den frühen 2000er Jahren, als der georgische Staat sich langsam stabilisierte, wurden auch wieder in Investitionen in Infrastruktur und Tourismus getätigt und die Region um Borjomi begann sich zu erholen.
Borjomi und der Borjomi Historical Central Park sind heute zwei der Hauptattraktionen der georgischen Provinz Samtshke-Javakheti.
Picture credits: beyondarts GmbH
Projekt “Increased regional added value in the tourism sectors of Georgia by Digital Heritage Tourism Guides”, gefördert durch die Austrian Development Agency (ADA) aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.