Das Kloster Zarzma
Wichtige Info:
Als wir das Kloster Zarzma im Mai 2022 besuchten, waren umfangreiche Renovierungsarbeiten im Gange. Es befanden sich sowohl um die Kirche als auch im Inneren Baugerüste, die Renovierungsarbeiten dauern zumindest noch bis Ende 2022.
Das Kloster Zarzma liegt etwa 30 km westlich von Akhaltsikhe in der Nähe der Stadt Adigeni direkt an der Hauptstraße ს 8 (S 8). Der Komplex besteht aus mehreren Gebäuden, die von einer Kuppelkirche und einem der größten Glockentürme Georgiens dominiert werden.
Zarzma hat den Beinamen „Kloster der Verklärung“. Der Begriff „Verklärung“ oder „Transfiguration“ stammt aus dem Neuen Testament und beschreibt das sogenannte „Glaubensgeheimnis“. Darin bekennt sich Gott zu Jesus als seinem Sohn. Die Szene findet auf dem Gipfel eines hohen Berges in Anwesenheit der drei Apostel Petrus, Jakob und Johannes statt, die Jesus von hellem, göttlichem Licht umstrahlt erleben.
Der Legende nach wurde das Kloster Zarzma im 8. Jahrhundert von dem Mönch Serapion Zarzmeli gegründet, dessen Leben sein Schüler Basilius Zarzmeli in dessen epischem Gedicht „Leben und Werk unseres seligen und glückseligen Vaters Serapion“ beschreibt.
Basilius von Zarzma erwähnt darin, dass Serapion vom örtlichen Gouverneur Giorgi Chorchaneli unterstützt wurde, der ein großes Stück Land als Bauplatz für das Kloster Zarzma spendete. Eine Inschrift im Kloster Zarzma huldigt Giorgi Chorchaneli als „Herzog der Herzöge“.
Aber Basilius beschreibt auch, dass die lokale Bevölkerung zunächst strikt gegen Serapions Pläne zur Errichtung eines Klosters gewesen sein soll. Der Legende nach gaben die Einheimischen ihren Widerstand erst auf, als Bergfelsen auseinanderbrachen und eine heftige Flut beinahe das ganze Dorf wegspülte.
Und so erklärt Basilius Zarzmeli auch die Namensfindung des Klosters, denn das Wort „Zarzma“ kann mit „Entsetzen“ oder „Angst“ übersetzt werden. Die Menschen vor Ort willigten in den Bau des Klosters ein, weil sie „Angst und Furcht“ vor der mysteriösen Flut hatten, die als Zeichen Gottes gedeutet wurde.
Die ursprüngliche Kirche, die von einem Architekten namens Garbaneli erbaut worden sein soll, ist jedoch nicht erhalten, das heutige Gebäude wurde Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet.
Während dieser Zeit regierte die mächtige Adelsfamilie Jakeli über die Region, namentlich Beka I., Nachfolger seines Vaters Sargis I., der 1268 der erste souveräne Prinz der Region Samtskhe wurde. Und es war höchstwahrscheinlich auch Beka I., der die heutige Kirche bauen und noch vor seinem Tod im Jahr 1308 vollenden ließ.
Im Inneren der Klosterkirche von Zarzma finden sich Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert, die Porträts von Herrschern aus der Familie Jakeli zeigen: Sargis I., Gründer der Familie, Sohn Beka I., Enkel Sargis II. und Urenkel Qvarqvare I.
Dies sind jedoch nicht die ältesten historischen Überreste, die im Kloster Zarzma zu finden sind. Im Eingangsbogen einer der Kapellen befindet sich eine Inschrift aus dem 10. Jahrhundert, die von militärischer Hilfe georgischer Adliger unter König David III. an den byzantinischen Kaiser Basil II. berichtet, als sich General Bardas Skleros im Jahr 979 in einem großangelegten Aufstand gegen den Kaiser erhob.
Als das Osmanische Reich Ende des 16. Jahrhunderts in die Region Samtskhe-Javakheti eindrang, wurde das Kloster Zarzma, wie die meisten anderen christlichen Kirchen und Klöster, verlassen und dem Verfall preisgegeben.
Aber die meisten Besitztümer des Klosters, wie Ikonen, Kreuze und andere kirchliche Wertgegenstände, konnten in der westgeorgische Region Guria im Kloster Shemokmedi untergebracht werden. Das Kloster Shemokmedi war im 15. und 16. Jahrhundert Sitz eines orthodoxen georgischen Bischofs.
Die Überreste des Klosterkomplexes von Zarzma wurden in den folgenden Jahrhunderten weitgehend zerstört, einschließlich der Wandmalereien in der Klosterkirche. Im frühen 20. Jahrhundert wurden Renovierungsversuche unternommen, bei denen allerdings einige der einzigartigen architektonischen und stilistischen Merkmale des Ensembles verloren gingen.
Dennoch besitzt der Klosterkomplex von Zarzma mit Kirche und Kapellen, dem Glockenturm und den Überresten kleinerer Gebäude einige herausragende Merkmale georgischer Architektur, insbesondere die Proportionen der Gebäude und die Dekoration der Fassaden betreffend.
Heute beherbergt das Kloster Zarzma wieder eine kleine, aber lebendige Klostergemeinschaft mit 11 Mönchen, die hier leben und arbeiten.
Anreise:
Das Kloster Zarzma befindet sich ca. 30 km westlich von Akhaltsikhe in der Nähe der Stadt Adigeni an der hauptstraße ს 8 (S 8). Anreise mit dem Taxi aus Adigeni (ca. 15 min, 5 GEL) oder aus Akhaltsikhe (ca. 50 min, 30 GEL).
Entfernungen:
Akhaltsikhke – Kloster Zarzma: 38km | Adigeni – Kloster Zarzma: 8km
Öffnungszeiten und Preise:
Das Kloster Zarzma kann jederzeit besichtigt werden, der Eintritt ist frei.
Wichtige Hinweise:
Das Kloster Zarzma liegt, wie viele Sehenswürdigkeiten der Region Samtskhe-Javakheti, auf über 1000 Meter Seehöhe, in diesem Fall sind es ca. 1400 m. Warme Kleidung und feste Schuhe sind zu jeder Jahreszeit anzuraten. Touristische Infrastruktur gibt es ebenfalls kaum, ein kleiner Shop ist vor Ort, in dem man Wasser, kleine Snacks und einige lokale Produkte kaufen kann.
Picture credits: SJDC
Projekt “Increased regional added value in the tourism sectors of Georgia by Digital Heritage Tourism Guides”, gefördert durch die Austrian Development Agency (ADA) aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.