Die Doukhobors von Gorelovka

Im Süden der Region Samtskhe-Dschawacheti, 12 km südöstlich der Stadt Ninotsminda und nur etwa 10 km von der armenischen Grenze entfernt, liegt das kleine Dorf Gorelovka, Heimat einer kleinen, aber faszinierenden orthodoxen protestantischen Gesellschaft: der Doukhobors.

Gorelovka wurde um 1840 gegründet, als die Doukhobors oder „Krieger des Geistes“, wie sie sich selbst nennen, aus ihrer ursprünglichen Heimat Russland in die Region kamen. Die Doukhobors wurden vom russischen Zaren Nikolaus I. verbannt, nachdem sie nicht nur den Glauben der russisch-orthodoxen Kirche, sondern, als Pazifisten, auch den Dienst in der Armee abgelehnt hatten.

Die Doukhobors gründeten acht Dörfer in der Region Samtskhe-Javakheti, Gorelovka war das größte. Zeitgenössische Quellen beschreiben die neuen Siedler als fleißige und disziplinierte Menschen, die mit großem Enthusiasmus eine lebendige, auf Landwirtschaft basierende Kommune formten und im Laufe der Jahre zu einer der reichsten Gemeinschaften im Kaukasus wurden.

Während der sowjetischen Herrschaft über Georgien war die Kolchose Gorelovka die zweitreichste landwirtschaftliche Gemeinde in der gesamten Sowjetunion. Der berühmte russische Dichter Leonid Tolstoj galt als großer Fan und Unterstützer der Doukhobors. Er gründete in Gorelovka eine Schule, die noch heute existiert und er soll vielen Doukhobors geholfen haben, nach Westkanada auszuwandern, wo noch heute eine große Gemeinschaft von Doukhobors existiert.

In den letzten zwanzig Jahren ist die junge Bevölkerung in Gorelovka und anderen Doukhobor-Dörfern stark zurückgegangen, hauptsächlich aufgrund fehlender Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Es gibt noch etwa 150 Familien, die meisten von ihnen leben in Gorelovka.

Das Leben in Gorelovka ist nicht einfach. Das Dorf liegt auf dem Javkheti-Plateau auf über 2000 Metern Seehöhe. Hier sind die Winter lang und die Sommer kurz. Dennoch ist Gorelovka an einem schönen Sommertag ein malerischer Ort, umgeben von weiten Ebenen und eindrucksvollen Bergen.

Gorelovka ist mittlerweile nicht mehr nur die Heimat der Doukhobors, denn seit dem Ende der Sowjetunion ziehen Armenier und Muslime in die Gegend. Und obwohl das Zusammenleben der verschiedenen ethnischen Gesellschaften gut funktioniert, gibt es eine bemerkenswerte Trennung: Muslimen ist es verboten, ihre Toten auf dem Dorffriedhof zu bestatten, der nächste muslimische Friedhof ist rund 250 Kilometer entfernt.

Trotz der rauen Natur und der ethnischen Vielfalt ist das Leben in Gorelovka friedlich. Die Doukhobors glauben nicht nur an die Koexistenz mit der Natur, sie sind nach wie vor überzeugte Pazifisten, lehnen persönlichen Materialismus ab und halten mit dem Auswendiglernen von Hymnen und Versen an ihrer Tradition der mündlichen Überlieferung fest. Ihre traditionelle Kleidung mit leuchtenden Farben drückt ebenso Lebensfreude aus wie ihre in Blau, Grün und Weiß gestrichenen Holzhäuser.

Und es gibt vielleicht noch einen weiteren Grund, warum das Leben in der Doukhobor-Gemeinschaft über Jahrhunderte hinweg gut funktioniert hat: die Kluft zwischen den Geschlechtern scheint nie besonders groß gewesen zu sein. Frauen genießen innerhalb der Gemeinschaft Freiheit und Respekt und bekleiden oft das Amt geistlicher Führerinnen.

Anreise:
Gorelovka liegt auf dem Javakheti-Plateau im Süden der Region Samtskhe-Javakheti rund 12 km südöstlich der Stadt Ninotsminda and nur 10 km nördlich der Grenze zu Armenien. Mit dem Taxi aus Ninotsminda sind es ca. 15 min (10 GEL).

Entfernungen:
Ninotsminda - Gorelovka: 12km | Akhaltsikhe - Gorelovka: 103km

Wichtige Hinweise:
Gorelovka liegt auf mehr als 2000 Metern Seehöhe. Besuche sind nur im Sommer zwischen Ende Juni und Mitte August sinnvoll, aber auch zu dieser Jahreszeit sind warme Kleidung und feste Schuhe angesagt. Das Wetter auf dem Javakheti-Plateau kann auch im Sommer blitzartig umschlagen. In Gorelovka gibt es keine touristische Infrastruktur, allerdings einen kleinen Shop, in dem man Wasser, kleine Snacks und traditionelle Produkte aus der Region kaufen kann. Es gibt auch ein paar einfache Gästehäuser für Übernachtungen.

Picture credits: beyondarts GmbH

Projekt “Increased regional added value in the tourism sectors of Georgia by Digital Heritage Tourism Guides”, gefördert durch die Austrian Development Agency (ADA) aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

 

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