Kathedrale und Festung Atskuri
Die kleine Stadt Atskuri, die gut 20 Kilometer nordwestlich von Akhaltsikhe liegt, beherbergt innerhalb eines Umkreises von wenigen hundert Metern zwei bedeutende Monumente des mittelalterlichen Georgiens: eine Kirche und eine Festung, beide nach Atskuri benannt.
Zuerst widmen wir uns der Kirche. Wenn Sie jetzt gleich mehr über die Festung hören wollen, dann klicken Sie einfach auf den Button im Bild.
Die Kirche von Atskuri wurde im 10. und 11. Jahrhundert erbaut und war zur Zeit ihrer Errichtung eine der größten Kathedralen Georgiens. Von der ursprünglichen Bausubstanz sind nur noch wenige Reste erhalten, im Jahr 2016 startete eine umfassende Rekonstruktion und Renovierung.
Aber auch die ursprüngliche Kathedrale, die ein eindrucksvolles Bauwerk gewesen sein muss, stand nicht lange. 1283 erschütterte ein schweres Erdbeben die Region Samtskhe-Javakheti und auch die Kathedrale von Atskuri blieb nicht verschont. Der Wiederaufbau erfolgte nach dem damals üblichen, kreuzförmigen Grundriss und mit drei hervorstehenden Apsiden. Die unterschiedlichen Bauphasen vor und nach dem Erdbeben lassen sich noch heute in der verbliebenen Bausubstanz anhand verschiedener Gesteinsschichten nachvollziehen.
Der im Jahr 2015 für die umfassende Rekonstruktion und Renovierung der Kirche veröffentlichte Plan sah auch die Errichtung eines Tambours vor, jenes typischen Bauelements, das viele georgische Kirchen und Klöster jener Zeit auszeichnet. Ein Tambour hat die Form eines aufrechtstehenden Zylinders und bildet oft das höchste Bauelement der Kirche als Verbindung zwischen quadratischem Unterbau und Kuppeldach. Ein Tambour ist meist mit 12 schmalen Fenstern als Symbol für die 12 Apostel Christi ausgestattet.
Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts war Atskuri eines der wichtigsten christlichen Zentren des mittelalterlichen Georgiens und Bischofssitz. Und es gab hier eine berühmte Ikone, eine sogenannte Madonna Hodegetria.
Bei einer Jungfrau oder Madonna Hodegetria handelt es sich um eine besondere Form der bildlichen Mariendarstellung: die Gottesmutter Maria hält das Jesuskind auf dem linken Arm, während ihre rechte Hand auf Jesus als Quelle der Erlösung für die Menschheit zeigt. Das Jesuskind wiederum wird meist mit einer segnenden Geste dargestellt. Der Begriff „Hodegetria“ leitet sich vom griechischen Wort „hodigoi“ ab, was so viel wie „Führer“ bedeutet.
Legenden zufolge soll der Apostel Andreas, der in Georgien oft mit dem Beinamen „der Erstberufene“ erwähnt wird, die Ikone der Madonna Hodegetria in die Kathedrale von Atskuri gebracht haben.
Der Apostel Andreas hat einen besonderen Platz in der religiösen Geschichte Georgiens, da er als erster christlicher Prediger und Begründer der georgisch-christlich-orthodoxen Kirche angesehen wird. Dieser Tradition folgend ist der kirchliche Nachfolger des Apostels Andreas der Patriarch von Konstantinopel.
Als das schwere Erdbeben 1283 weite Teile der Region Samtskhe-Javakheti und auch die Kathedrale von Atskuri verwüstete, blieb die Madonna Hodegetria auf wundersame Weise heil und fand im Laufe der Jahrhunderte im Kloster von Gelati ein neues Zuhause. Das Kloster von Gelati im Westen Georgiens in der Nähe der Stadt Kutaissi ist eines der bekanntesten des Landes und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.
Im Zuge der Eroberung der Region durch das Osmanische Reich Mitte des 16. Jahrhunderts flohen die Bewohner von Atskuri und die Kirche, wie viele andere Kirchen und Klöster, wurde dem Verfall preisgegeben.
Bis zum Ende der Sowjetherrschaft lag das christlich-orthodoxe Erbe von Atskuri brach. Erst in den 1990er Jahren begann man archäologische Studien durchzuführen und entdeckte rund um die baulichen Überreste der Kathedrale von Atskuri weitere, interessante mittelalterliche Fragmente.
2016 startete dann das großangelegte Rekonstruktions- und Renovierungsprogramm, das bis zum heutigen Tag andauert (Stand Frühjahr 2022) und dereinst die Kathedrale von Atskuri wieder auferstehen lassen soll.
Die Kathedrale von Atskuri Church steht auf der Liste der sogenannten “Unbeweglichen Kulturdenkmäler von nationaler Bedeutung Georgiens“.
Anreise:
Astkuri befindet sich ziemlich genau in der Mitte zwischen den Städten Borjomi und Akhaltsikhe an der Hauptstraße ს8. Von beiden Städten aus gelangt man mit Minibus oder Taxi nach Atskuri oder in diesem Fall sogar mit dem Zug.
Taxi: 25-30 Minuten, 2 GEL
Minibus: 25-30 Minuten, 2 GEL
Train: 30-35 Minuten, 1,5 GEL
Entfernungen:
Akhaltsikhe - Atskuri: 22km | Borjomi - Atskuri: 25km
Öffnungszeiten und Preise:
Kirche und Festung von Atskuri können jederzeit besichtig werden. Der Zutritt ist frei.
Wichtige Hinweise:
Es gibt in der Nähe einen kleinen Shop, auch ein paar einfache Restaurants und einen Geldautomaten.
Picture credits: beyondarts GmbH
Projekt “Increased regional added value in the tourism sectors of Georgia by Digital Heritage Tourism Guides”, gefördert durch die Austrian Development Agency (ADA) aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.