Charles-Louis Clérisseau
Jupitertempel im Diokletianpalast in Split von Charles-Louis Clerisseau, nach 1757 Feder und Tusche und braun laviert, Pinsel und braun und grau laviert, Staatliches Eremitage-Museum
war ein französischer Zeichner, Maler und Architekt. Er zählt zu den Vorreitern des Klassizismus in England und im übrigen Europa.
Clérisseau studierte Architektur an der Académie royale d’architecture in Paris und gewann 1746 den Prix de Rome. Durch den Verkauf von Zeichnungen an britische Touristen lernte er 1755 Robert Adam kennen, den er im Zeichnen unterrichtete. Er begleitete Robert Adam auf eine Reise entlang der Adriaküste, auf der u. a. umfangreiche Aufmaße und Zeichnungen des Diokletianspalastes in Split angefertigt wurden. Die führende Rolle, die Clérisseau dabei gespielt haben muss, wurde von Robert Adam bei der Publikation der Ruins of the palace of the Emperor Diocletian at Spalatro in Dalmatia (London 1764) allerdings weitgehend verschwiegen.
Ende 1773 erhielt er von der Zarin Katharina II. den Auftrag, ein Haus im antiken Geschmack für den Park von Zarskoje Selo zu entwerfen. Stattdessen legte er den Plan für einen riesigen Palast vor, der sich an der Villa Adriana und den Diokletiansthermen orientierte, der aber wegen seiner übertriebenen Größe von der Zarin zurückgewiesen wurde. Trotzdem kaufte sie 1779 ein Konvolut von mehr als 1100 Zeichnungen von Clérisseau, der ihr bis 1787 regelmäßig weitere Zeichnungen sandte. Mit etwa 2000 Zeichnungen hat daher die Eremitage (Sankt Petersburg) in St. Petersburg den größten Bestand an Arbeiten dieses Künstlers.