Ginkgo
Ein Stück oberhalb des öffentlichen WCs rahmen zwei Ginkgo-Bäume die Hauptallee. Ginkgos sind ein lebendes Fossil – es gab sie schon zu Zeiten der Dinosaurier! Viele Ginkgo-Arten sind im Verlauf der Erdgeschichte ausgestorben, die Art Ginkgo biloba existiert als einzige noch heute. Allerdings ist sie in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht. In der Heimat China gibt es nur noch wenige Ginkgo-Wälder. In Asien werden Ginkgos aber seit Jahrtausenden in buddhistischen Tempeln kultiviert. Außerdem sind sie seit einiger Zeit beliebte Straßenbäume in Städten rund um die Welt.
Ginkgo-Bäume sind entweder weiblich oder männlich. Bei den beiden Bäumen auf der Hauptallee handelt es sich um zwei Männchen. Der Baum an der Mauer trägt auf knapp zwei Meter Höhe aber einen weiblichen Ast, der im Herbst fleischige Samen hervorbringt. Dieser Ast geht auf ein Experiment von Gartendirektor Joseph Franz von Jacquin (1766-1839) zurück, der herausfinden wollte, ob der weibliche Ast sein Geschlecht ändern würde, wenn er ihn auf einen männlichen Baum pfropft. Der Ast blieb weiblich und Jacquin hatte damit bewiesen, dass das Geschlecht der Pflanzen im Holz sitzt und nicht vom Baumsaft des männlichen Baumes bestimmt wird.
Der Baum ist somit ein Zeuge der Wissenschaftsgeschichte. Während Jacquins Vater und dessen Zeitgenossen die gottgegebene Natur „nur“ beschrieben haben, griffen Joseph Jacquin und andere in die Natur ein und manipulierten sie zur Gewinnung neuer Erkenntnisse.