Pflanzenblindheit
Zeigt man jemandem ein Bild mit Pflanze und Tier darauf, sehen die meisten Menschen als erstes das Tier, und oft nichts anderes. Die abgebildete Pflanze wird nicht wahrgenommen oder bestenfalls als Hintergrund erwähnt. Unter Botanikern hat dieses Phänomen einen Namen: Pflanzenblindheit. Der Begriff beschreibt die Unfähigkeit, Pflanzen in einer gewohnten Umgebung bewusst wahrzunehmen. Damit einher geht oft eine Unempfänglichkeit für die ästhetische Wirkung von Pflanzen sowie ein fehlendes Bewusstsein der Bedeutung von Pflanzen für das Leben auf der Erde allgemein und das eigene Leben im Besonderen – zum Beispiel als Nahrung, Gewürz, Heilmittel oder Zierpflanze. Pflanzen werden oft als minderwertige Lebewesen eingestuft und im Alltag bestenfalls als Kulisse wahrgenommen, vor der sich das Leben der Tiere und Menschen abspielt.
Aus vielen Studien weiß man, wie wichtig das Erleben der Pflanzenwelt für die Gesundheit des Menschen ist. Ein Fenster mit Blick auf eine Grünfläche lässt etwa Krankenhauspatienten schneller gesunden, ein Spaziergang im Wald senkt den Stresspegel. Kinder, die in freier Natur spielen, spielen kreativer als in einer vorgestalteten Umwelt (wie einem Spielplatz). Es gibt viele Gründe, warum man den Blick für Pflanzen schärfen sollte.
Für die Pflanzenblindheit gibt es keine Blitzkur, aber viele geeignete Mittel, die eine nachhaltige Besserung garantieren. Insbesondere gilt es, dem mangelnden Grundwissen über Pflanzen entgegenzuwirken und ihre zentrale Rolle in fast allen Ökosystemen der Erde verständlich zu machen. Dies sollte in spielerischer Form schon im Kindergartenalter beginnen, indem die Kinder lernen, Pflanzen als wachsende und unterscheidbare Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen wahrzunehmen. Mit seinen Angeboten setzt sich die Grüne Schule im Botanischen Garten das Ziel, Heranwachsende für Pflanzen zu begeistern und der Pflanzenblindheit ein Ende zu bereiten.