Die Winterreitschule
Die vielleicht schönste Reithalle der Welt
In der Friedensperiode nach dem Ende der zweiten Türkenbelagerung gab Kaiser Karl VI. zahlreiche Monumentalbauten in Wien in Auftrag: Zwischen 1725 und 1735 ließ er auf dem Areal des ehemaligen kaiserlichen „Paradeisgartls“ zwischen Redoutenflügel und Michaelertrakt die Winterreitschule erbauen. Ausführender Architekt war Joseph Emanuel Fischer von Erlach (1693–1742), der den Gebäudetrakt nach den Ideen seines Vaters, Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656-1723), verwirklichte.
Vornehmlich für die reiterliche Ausbildung der kaiserlichen Familie erbaut, fanden in der barocken Reithalle auch immer wieder Karussells, Maskenfestspiele, Reiterspiele und Hofbälle statt, wie z. B. das „Damenkarussell“ Maria Theresias am 2. Jänner 1743 anlässlich der Wiedereroberung Prags: Attraktion des Festes war das bis ins 19. Jahrhundert in der Habsburgermonarchie beliebte sog. „Türkenkopfstechen“, bei dem die in Pferdekutschen geführten weiblichen Festgäste mit dem Degen nach auf Stangen aufgespießten, aus Holz oder Pappmaché nachgebildeten Türkenköpfen stechen mussten.
Das Gründungskonzert der „Gesellschaft der Wiener Musikfreunde“, im Bild oben zu sehen, fand am 29. November 1812 ebenfalls in der Winterreitschule statt und ging ob seiner Dimensionen in die Geschichte ein: 600 Mitwirkende, darunter 120 Violinisten und 280 Sänger, brachten das Oratorium „Timotheus oder die Gewalt der Musik“ von Georg Friedrich Händel zur Aufführung. Heute lässt sich die Winterreitschule dank modernster Technik in kürzester Zeit in eine einzigartige Event-Location verwandeln.