Kaiser Franz II./I.

Die Statue von Kaiser Franz II./I.

Ein römischer Imperator im inneren Burghof

Die etwas verwirrende Bezeichnung Kaiser Franz II./I. (1768-1835) geht auf die beiden Kaisertitel zurück, die dieser Herrscher trägt: von 1792 bis 1806 ist Franz, ein Enkel Maria Theresias, als Franz II. letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Von 1804 bis 1835 ist er als Franz I. erster Kaiser von Österreich. Und zwei Jahre lang, von 1804-1806, hat er beide Titel inne.

Noch zu seinen Lebzeiten wünscht sich Franz ein Denkmal. Doch der österreichische Staatskanzler Metternich, der heimliche Regent Europas zu Beginn des 19. Jahrhunderts, lehnt das kaiserliche Ansinnen ab.

Erst nach Franz‘ Tod 1835 greift sein Sohn und Nachfolger, Kaiser Ferdinand I. (1793-1875), den Plan für ein Denkmal wieder auf. 1846 wird es fertig gestellt und erhält seinen heutigen Platz auf dem Inneren Burghof.

Das Denkmal zeigt Franz II./I. als römischen Imperator mit Toga und Lorbeerkranz auf dem Kopf. Die Gestalt des Kaisers blickt Richtung Schweizertrakt, dem ältesten Teil der Wiener Hofburg. In seinem Rücken befindet sich der Amalientrakt, zu seiner Rechten der Leopoldinische Trakt und zu seiner Linken der Reichskanzleitrakt.

Zu Füßen des Kaisers sitzen 4 weibliche Gestalten. Jene beiden, die wie der Herrscher ebenfalls in Richtung Schweizerhof blicken, symbolisieren Frieden und Glauben, jene beiden, die in Richtung Amalientrakt blicken, stehen für Stärke und Gerechtigkeit.

Die oktogone Umrahmung des Sockels trägt die Reliefs 8 weiterer Figuren. Diese, 4 männliche und 4 weibliche, symbolisieren Wissenschaft, Handel, Viehzucht, Industrie, Bergbau, Ackerbau, Kunst und Heldentum. Die Reliefs zeigen eine interessante Vermischung zeitgenössischer und klassischer Details: so trägt etwa jene männliche Figur, die den Bergbau symbolisiert, zwar ein antik anmutendes Gewand, stützt sich aber gleichzeitig mit der rechten Hand auf eine damals hochmoderne Grubenlampe.

Das Denkmal von Franz II./I. besitzt 2 lateinische Inschriften. Jene auf der Vorderseite „Amorem meum populis meis“ (Meine Liebe meinen Völkern) ist eine berühmte Textzeile aus dem Testament des Kaisers. Der für seinen Geiz bekannte Franz wird dafür von der Wiener Bevölkerung posthum verspottet. Seine Liebe vermacht er uns, raunen die Wiener, aber sonst nichts.

Die lateinische Inschrift auf der Rückseite erwähnt auch den Stifter des Denkmals, Kaiser Ferdinand I., Franz‘ Sohn. Sie lautet: „Für den frommen, gerechten, tapferen und friedliebenden Kaiser Franz I., Vater des Vaterlandes und erhabenen Vater, von Kaiser Ferdinand I. von Österreich.“ Zusätzlich trägt die Inschrift die römische Jahreszahl 1846 (MDCCCXXXXVI), das Jahr der Errichtung des Denkmals.

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