Gerhard Sindelar rezensiert Stefan Fischers “Hieronymus Bosch. Das vollständige Werk”

xl-bosch-cover_01102Rezension von Gerhard Sindelar:
Hieronymus Bosch. Das vollständige Werk.”
von Stefan Fischer
erschienen im TASCHEN Verlag

„Das Dunkle ist gesichtet, das Unheimliche entdeckt, das Unfassbare
zur Rede gestellt“

Bosch, Maler von Traumbildern, Alpträumen, Maler der irdischen und
himmlischen Paradiese und Höllen. So oder so ähnlich ist Bosch nicht nur in den Köpfen von Kunsthistorikern, sondern auch in jenen der Allgemeinheit vorhanden. Auch wenn sich bereits um 1560 Gegner der Auffassung fanden, in Bosch ausschließlich den Teufelsbildner zu sehen, haftet ihm bis heute dieser Ruf an.

Und nicht wenige KunsthistorikerInnen verlegten sich auf spekulative und psychologisierende Interpretationen der Bilderfindungen von Bosch oder suchten Erklärungen in einer überbordenden Phantasie des Künstlers.
Stefan Fischer, der Autor dieses Buches versucht bereits in der Einleitung,
festen Boden für das Werk von Bosch zu finden. Dadurch, dass er
einerseits die Einbettung des Malers in das gesellschaftliche Umfeld seiner
Heimatstadt minutiös darstellt und andererseits auf die Bildtraditionen des
ausgehenden Mittelalters, besonders jener der Drolerien, hinweist.
Drolerien als grotesk überzeichnete Darstellungen von Menschen, Misch-,
Fabelwesen und Tieren finden sich in der Buchmalerei und Architektur des
Mittelalters. Bosch übernahm sie in die Tafelmalerei, er verwendet aber
auch Sprichwörter und Vorlagen, die sich in der Literatur und Chroniken
jener Zeit finden.

So zitiert Stefan Fischer Wolfgang Kaysers Werk „Das Groteske“, wenn er
bei Bosch und Bruegel anmerkt: „Es geht uns vor ihren Höllen- und
Abgrundvisionen wie vor den Blättern Goyas“. Das Interessante an dieser
Epochen übergreifenden Ansicht liegt allerdings darin, dass seiner
Meinung nach das Groteske in der Verzerrung und Verfremdung von
Bekanntem liegt – und nicht allein als Ausgeburt der Fantasie von Bosch zu
sehen sei. Allerdings kann angenommen werden, dass Goya jene Szenen,
die er in den „Les Désastres de la Guerre“ darstellt, mit eigenen Augen
gesehen hat. Und was von den Szenen in Boschs Bildern wird er selbst gesehen und erlebt haben?

Lesen Sie hier Gerhard Sindelars komplette Rezension!

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