Kunst & Kultur Tipp: Fritz Wotruba und die Hommage an Michelangelo

wotruba-selbstport-1972Vor 450 Jahren starb der wohl berühmteste Künstler der italienischen Renaissance: der Maler, Bildhauer, Architekt und Dichter Michelangelo Buonarroti. Obwohl Michelangelo auf vielen Gebieten Wegweisendes schuf, sah er sich in erster Linie als bildender Künstler. Viele seiner Briefe hat er mit “Michelangelo, scultore” unterschrieben.
Fritz Wotruba, einer der bedeutendsten europäischen Bildhauer des 20. Jahrhundert, hat sich sein ganzes Leben lang mit dem Werk Michelangelos auseinandergesetzt. Die Fritz Wotruba Privatstiftung im 21er Haus zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung den 1975 entstandenen grafischen Zyklus Hommage à Michelangelo.
Der Zyklus, bestehend aus 26 Blättern, entstand wenige Wochen vor Wotrubas Tod. Der reflexive Ton dieser Arbeiten ist insofern beeindruckend, da er das Thema Bildhauer und Werk aufgreift. Dazu Werner Hofmann im Ausstellungskatalog Hommage à Wotruba, Wien 1985: “Auf fast allen Blättern ist Michelangelo dargestellt, Sein bärtiger Schädel weist kaum Ähnlichkeit mit den in verschiedenen zeitgenössischen Bildnissen überlieferten Gesichtszügen auf. Diese Züge mögen einem Mönch oder einem Verbrecher gehören. Sie verraten eine Strenge, eine Besessenheit, in der sich Askese mit dunkler Leidenschaft paart.“
Hofmanns Beschreibung trifft auch erschreckend auf Wotrubas letztes Selbstportrait zu, oben zu sehen. Ein Schädel dessen Aura unerbittliche Strenge und Abgeschlossenheit ausstrahlt. Fast scheint es, dass Wotruba in den 26 Blättern der Ausstellung ein Selbstgespräch mit seiner eigenen Person im Sinn hatte, mit Hilfe der Zeichnungen ein Nachdenken über den schöpferischen Prozess anstrebte.
Die Ausstellung der Fritz Wotruba Privatstiftung im 21er Haus “Hommage à Michelangelo” läuft bis zum 26. Oktober.

Hier geht’s zur Fritz Wotruba Ausstellung!

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